🧭AG
Alle BerufeBerufs-CheckRatgeber★ Merkliste
← Alle Berufe
Textil- und BekleidungsberufeBBiG

Fachkraft für Lederverarbeitung

Die Fachkraft für Lederverarbeitung ist ein handwerklich-industrieller Ausbildungsberuf im Bereich Textil und Bekleidung, der sich mit der Verarbeitung von Leder, Kunstleder und verwandten Materialien befasst. Fachkräfte fertigen und reparieren Taschen, Gürtel, Sattlerwaren, Schuhe oder Lederaccessoires mithilfe spezialisierter Maschinen und Handarbeitstechniken. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Gespür für Materialien, handwerklichem Geschick und Interesse an Modeaccessoires oder technischen Produkten aus Leder.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

450–750 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2100 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Fachkraft für Lederverarbeitung?

Der Arbeitsalltag einer Fachkraft für Lederverarbeitung beginnt meist mit der Materialkontrolle: Leder und Kunstleder werden auf Qualität, Fehler und Maßhaltigkeit geprüft. Anschließend werden Schnittschablonen aus Karton oder CAD-Systemen auf das Leder übertragen und mit Stanzmessern, Rollmessern oder halbautomatischen Stanzmaschinen zugeschnitten. Morgens stehen oft maschinelle Arbeitsschritte im Vordergrund – zum Beispiel das Schärfen (Ausdünnen) der Lederkanten an Schärfmaschinen oder das Aufrauen von Klebestellen. Nachmittags werden die Teile an Industrienähmaschinen mit Dreifachtransport zu fertigen Produkten zusammengenäht oder mit Klebstoffsystemen (z. B. Neoprenkleber) gefügt. Weitere Tätigkeiten umfassen das Prägen von Mustern mittels Heißprägezangen, das Einnähen von Reißverschlüssen sowie Finish-Arbeiten wie Kantenfarbe auftragen. Man arbeitet eng mit Produktionsleitung, Qualitätskontrolle und Lagerpersonal zusammen. Ein typisches Beispiel: Fertigung einer Lederhandtasche vom Zuschnitt bis zur fertig genähten Tasche inklusive Beschläge.

Wo arbeitest du?

Fachkräfte für Lederverarbeitung finden Arbeit in kleinen bis mittelständischen Handwerksbetrieben (Sattlereien, Taschenwerkstätten, Schuhmanufakturen) sowie in industriellen Fertigungsbetrieben für Lederaccessoires, Automobilzulieferer (Lederinnenausstattung) und Modehäuser. Bekannte Arbeitgeber sind Braun Büffel, Bree, MCM, Picard oder regionale Sattlerbetriebe. Auch Reparaturdienste und Luxusgüterhersteller sind relevante Arbeitgeber. Es besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, da der Beruf relativ selten ausgebildet wird und traditionelle Handwerkskenntnisse gefragt sind.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschule) ist jedoch von Vorteil, da betriebswirtschaftliche und technische Inhalte der Berufsschule ein gewisses abstraktes Verständnis erfordern. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Maßberechnungen, Kalkulation), Werken oder Technik sowie Kunst (Formgebung, Ästhetik). Persönlich sollte man handwerkliches Geschick, Fingerfertigkeit und Geduld mitbringen. Sorgfalt beim Arbeiten mit hochwertigen Materialien ist ebenso entscheidend wie ein Gespür für Qualität und Detailgenauigkeit. Teamfähigkeit und körperliche Belastbarkeit (stehende Tätigkeit) runden das Profil ab.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Lederverarbeitung vermittelt: Lederarten (Rind, Ziege, Nappa, Velours), Kunstleder und Ersatzmaterialien sowie deren Eigenschaften werden kennengelernt. Grundlegende Handtechniken wie Schneiden, Falzen, Kleben und einfaches Nähen stehen im Vordergrund. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende maschinelles Nähen an Industrienähmaschinen, Stanztechnik sowie Qualitätsprüfung nach DIN-Normen. Zentrale Lernfelder sind Fertigungsplanung, Arbeitsvorbereitung, Qualitätssicherung und Kalkulation. Spezialisierungen erfolgen je nach Betrieb in Richtung Taschen- und Kleinlederwaren, Sattlerei, Schuhfertigung oder technische Lederartikel. Im Vergleich zu Schuhmachern liegt der Fokus stärker auf Flächenprodukten und variablen Fertigungslinien als auf der individuellen Fußanpassung.

Fertigungstechnik LederMaterialkunde und QualitätssicherungBetriebswirtschaft und KalkulationWirtschafts- und SozialkundeDeutsch/Kommunikation

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung der Fachkraft für Lederverarbeitung ist eine gestreckte Abschlussprüfung in zwei Teilen gemäß BBiG. Teil 1 findet am Ende des ersten Ausbildungsjahres (ca. Monat 12) statt und umfasst eine praktische Arbeitsaufgabe (ca. 90 Minuten), in der ein einfaches Lederobjekt nach Vorgabe gefertigt wird. Teil 2 findet am Ende des dritten Lehrjahres statt und gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: Fertigungsauftrag (praktische Prüfung, ca. 7 Stunden, Gewichtung 50 %), Fertigungstechnik und Qualitätssicherung (schriftlich, 120 Minuten, 20 %), Planung und Kalkulation (schriftlich, 60 Minuten, 15 %) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten, 15 %). Zum Bestehen müssen im Gesamtergebnis mindestens 50 Punkte (von 100) erreicht werden; kein Prüfungsbereich darf mit weniger als 30 Punkten bewertet werden. An den praktischen Fertigungsauftrag schließt ein Fachgespräch von ca. 15 Minuten an.

Prüfungsthemen

  • Lederkunde: Tierarten, Gerbverfahren, Qualitätsmerkmale
  • Schnitttechnik: Schablonenerstellung, Zuschnitt, Stanztechnik
  • Nähtechnik: Maschinenführung, Stichlänge, Fadenstärke
  • Klebetechnik: Klebstoffauswahl, Auftragsmethoden, Aushärtezeiten
  • Qualitätssicherung: Prüfverfahren, Fehleranalyse, DIN-Normen
  • Arbeitsvorbereitung und Kalkulation: Materialbedarf, Stückkosten
  • Wirtschafts- und Sozialkunde: Ausbildungsrecht, Arbeitsvertrag, Sozialversicherung

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich mehrere Weiterbildungswege: Der Meister im Lederverarbeitenden Handwerk (HwO) ermöglicht die Führung eines eigenen Betriebs oder die Übernahme von Ausbildungsverantwortung. Alternativ ist ein Techniker-Abschluss (Staatlich geprüfter Techniker Textiltechnik oder Ledertechnik) möglich. Wer führungsseitig stärker in die Betriebsorganisation wechseln möchte, kann den Fachwirt Textilwirtschaft (IHK) absolvieren. Passende Studiengänge sind Modedesign, Produktionstechnik oder Werkstoffwissenschaften. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Schichtleiter, Produktionsleiter oder Qualitätsmanager erreichbar. Das Bruttomonatsgehalt kann dann auf 2.800–3.800 EUR steigen. Spezialisierungen in Luxusgüterherstellung oder technischen Lederprodukten sind besonders gefragt.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem Ausbildungsstart eingereicht werden, da viele Betriebe früh planen. In die Bewerbungsmappe gehören: Anschreiben mit Bezug auf Materialkunde oder handwerkliche Hobbys, tabellarischer Lebenslauf und aktuelle Schulzeugnisse. Im Vorstellungsgespräch wird häufig nach Erfahrungen mit Handarbeit, Nähen oder Basteln gefragt. Manche Betriebe führen praktische Eignungstests durch, bei denen einfache Schnitt- oder Klebeaufgaben zu lösen sind. Ausbilder überzeugt man besonders durch nachweisbares handwerkliches Interesse – z. B. eigene Nähprojekte, Schuhreparaturen oder Lederarbeiten als Hobby. Pünktlichkeit, Sorgfalt und Materialkenntnis (Lederarten benennen können) hinterlassen im Gespräch einen starken ersten Eindruck.

Ratgeber

Die Fachkraft für Lederverarbeitung ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Textil und Bekleidung. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 450 und 750 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.100 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Welche Spezialisierungen gibt es in der Ausbildung zur Fachkraft für Lederverarbeitung?
Die Ausbildung kann je nach Ausbildungsbetrieb unterschiedliche Schwerpunkte umfassen, etwa die Herstellung von Schuhen, Taschen, Gürteln, Sattlerwaren oder technischen Lederprodukten. Betriebe aus verschiedenen Teilbranchen der Lederverarbeitung prägen dabei den jeweiligen Ausbildungsinhalt maßgeblich.
Welcher Schulabschluss wird für diese Ausbildung benötigt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Ausbildungsbetriebe Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Entscheidend sind oft handwerkliches Geschick, Sorgfalt und Interesse an der Materialverarbeitung.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Fachkraft für Lederverarbeitung arbeiten?
Mögliche Arbeitgeber sind Unternehmen der Schuh- und Lederwarenindustrie, Sattlereien, Hersteller von Reisegepäck und Accessoires sowie Betriebe, die technische Lederprodukte fertigen. Auch kleinere Handwerksbetriebe und Manufakturen im Bereich Luxusgüter kommen als Arbeitgeber infrage.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Meister im Berufsfeld Leder oder Textil möglich, ebenso Fortbildungen im Bereich Qualitätssicherung oder Produktionsmanagement. Mit entsprechender Berufserfahrung und gegebenenfalls Fachhochschulreife besteht zudem die Möglichkeit, ein Studium im Bereich Modedesign, Textiltechnik oder Betriebswirtschaft aufzunehmen.

Ähnliche Berufe in Textil- und Bekleidungsberufe

Maßschneider

Maßschneider fertigen individuelle Kleidungsstücke nach den genauen Körpermaßen einzelner Kunden – vom Brautkleid über den maßgeschneiderten Anzug bis zum Bühnenkostüm. Anders als in der industriellen Konfektion entsteht jedes Stück als Unikat, angepasst an Figur, Körperhaltung und persönliche Wünsche. Dieser Beruf eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, ästhetischem Gespür und Freude am direkten Kundenkontakt.

3 Jahre →

Schuhmacher

Schuhmacher fertigen, reparieren und restaurieren Schuhe sowie Lederwaren von Hand und mit spezialisierten Maschinen. Der Beruf vereint traditionelles Handwerk mit modernen Fertigungstechniken und erfordert ein feines Gespür für Materialien wie Leder, Gummi und synthetische Werkstoffe. Er eignet sich für handwerklich geschickte Menschen mit Sinn für Ästhetik, Präzision und Freude an der direkten Kundenarbeit.

3 Jahre →

Textilreiniger

Textilreiniger sind Fachleute für die professionelle Reinigung, Pflege und Instandhaltung von Textilien, Leder und Pelzen. Sie beherrschen chemische Reinigungsverfahren (Trockenreinigung mit Lösungsmitteln wie Perchlorethylen oder Kohlenwasserstoffen), Nassreinigung und Wäschepflege. Der Beruf eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Feingefühl für Materialien und Interesse an Chemie sowie Textilfaserkunde.

3 Jahre →

Produktionsmechaniker Textil

Produktionsmechaniker Textil stellen textile Flächen und Garne auf industriellen Maschinen her und überwachen vollautomatische Webstühle, Strick- und Wirkmaschinen sowie Spinn- und Zwirnmaschinen. Dieser Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Maschinenverständnis und Qualitätsbewusstsein. Er eignet sich für Menschen, die präzise arbeiten, technische Abläufe durchschauen und gerne in der Produktion tätig sind.

3 Jahre →