Steinmetze bearbeiten Naturstein wie Granit, Marmor, Sandstein und Kalkstein zu Bauelementen, Denkmälern und Fassadenverkleidungen. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit modernem CNC-Maschineneinsatz. Er eignet sich für Menschen mit Sinn für Präzision, räumlichem Vorstellungsvermögen und Freude an der Verbindung von Gestaltung und Materialverarbeitung.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–900 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2400 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Werkstatt oder auf der Baustelle mit dem Lesen von Werkzeichnungen und Aufmaßplänen. Du richtest Maschinen wie Sägen, Schleifmaschinen, Fräsen und CNC-Bearbeitungszentren ein und wählst geeignete Steinarten für den jeweiligen Auftrag aus. Mithilfe von Winkelschleifern, Meißeln, Schlageisen und Flämmbrennern formst du Natursteinstücke zu Treppenstufen, Fensterbänken, Grabmälern oder Fassadenplatten. Am Nachmittag werden Bauteile an Gebäuden oder Denkmälern versetzt, mit Anker- und Dübelsystemen befestigt und mit hydraulischem Mörtel verfugt. Regelmäßig wirst du mit der Restaurierung historischer Steinbauwerke betraut: Du analysierst Verwitterungsschäden, trägst Steinergänzungsmassen auf oder ersetzt schadhafte Werkstücke. Du arbeitest eng mit Architekten, Bauleitern und Denkmalpflegern zusammen. Arbeitsumgebungen wechseln zwischen Werkstatt, Baustelle und denkmalgeschützten Gebäuden.
Steinmetze arbeiten überwiegend in Handwerksbetrieben: Steinmetz- und Steinbildhauerbetrieben, Baustoffhandel mit eigenem Bearbeitungszentrum sowie Restaurierungswerkstätten. Größere Industrieunternehmen wie Schindler, Rathscheck Schiefer oder regionale Natursteinwerke beschäftigen ebenfalls Fachkräfte. Daneben gibt es Stellen bei Kirchenbauämtern, Landesdenkmalämtern und kommunalen Bauverwaltungen. In der Branche besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, besonders bei qualifizierten Restaurierungsspezialisten.
Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, in der Praxis bevorzugen viele Betriebe den Realschulabschluss. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Geometrie, Maßberechnung), Physik (Materialkunde), Werken/Kunst und Chemie (Gesteinskunde, Reinigungsmittel). Persönlich solltest du handwerkliches Geschick und Freude an der Arbeit mit Naturmaterialien mitbringen. Räumliches Vorstellungsvermögen ist unerlässlich, da du regelmäßig dreidimensionale Werkstücke aus technischen Zeichnungen umsetzt. Körperliche Belastbarkeit, Sorgfalt, Geduld beim Bearbeiten harter Materialien und ästhetisches Empfinden für Formen und Oberflächen sind wichtige persönliche Stärken.
Im 1. Lehrjahr stehen Grundlagen der Steinbearbeitung im Mittelpunkt: Kennenlernen von Gesteinsarten (magmatisch, sedimentär, metamorph), Handhabung von Handwerkzeugen wie Zahneisen, Spitzeisen und Fimmel sowie Grundübungen im Sägen, Spalten und Schleifen. Du lernst Sicherheitsvorschriften, Arbeitshygiene beim Umgang mit Steinstaub und erste zeichnerische Grundlagen. Im 2. Lehrjahr folgt die Vertiefung der Maschinenarbeit, CNC-Programmierung und Oberflächenbearbeitung (Stocken, Bossieren, Polieren, Sandstrahlen). Du fertigst erste komplexe Werkstücke nach Zeichnung. Im 3. Lehrjahr spezialisierst du dich auf Denkmalpflege und Restaurierung, die Verarbeitung verschiedener Natursteine für Fassaden und Innenausbau sowie die selbstständige Planung und Umsetzung von Kundenprojekten. Im Vergleich zur Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger liegt der Schwerpunkt klar auf der handwerklichen Steinbearbeitung und -formgebung statt auf der Verlegung.
Die Gesellenprüfung gliedert sich in zwei Teile. Teil 1 (Zwischenprüfung) findet im 2. Lehrjahr, üblicherweise im Frühjahr (Februar/März), statt. Dabei werden praktische Fertigkeiten in der Steinbearbeitung an einem vorgegebenen Werkstück geprüft (ca. 6 Stunden) sowie schriftliche Kenntnisse zu Gesteinskunde, Werkzeugeinsatz und Arbeitsschutz (120 Minuten). Teil 2 (Abschlussprüfung) findet im 3. Lehrjahr gegen Ende der Ausbildung statt. Sie umfasst folgende Bereiche: Praktische Arbeitsaufgabe – Anfertigung eines Werkstücks nach Auftragsskizze und Zeichnung (ca. 8 Stunden, Gewichtung 50 %), schriftliche Prüfung Fachkunde/Technische Mathematik (120 Minuten, Gewichtung 25 %), schriftliche Prüfung Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, Gewichtung 10 %) sowie ein Fachgespräch über die ausgeführte Arbeitsaufgabe (ca. 15 Minuten, Gewichtung 15 %). Zum Bestehen sind in allen Prüfungsbereichen mindestens ausreichende Leistungen (50 Punkte von 100) erforderlich; in keinem Bereich darf eine ungenügende Leistung erzielt werden.
Prüfungsthemen
Nach der Gesellenprüfung stehen mehrere Wege offen. Mit einigen Jahren Berufserfahrung ist die Meisterprüfung Steinmetz und Steinbildhauer (HwO) möglich, die zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildungsleitung berechtigt. Als staatlich geprüfter Techniker Fachrichtung Bautechnik oder Restaurierung lassen sich Planungs- und Leitungsaufgaben übernehmen. Einschlägige Studiengänge sind Denkmalpflege, Restaurierung, Bauingenieurwesen oder Architektur (FH/Universität). Spezialisierungen bieten sich in der Denkmalpflege, dem Grabmaldesign, der Fassadentechnik oder im CNC-gestützten Steindesign. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Werkstattleiter, Obermonteur oder Projektleiter realistisch. Das Gehalt steigt mit Meistertitel und Verantwortung deutlich an.
Bewerbe dich 9–12 Monate vor Ausbildungsbeginn (August/September), also idealerweise im Herbst des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe sollte Anschreiben, Lebenslauf, letzte zwei Schulzeugnisse und ein Praktikumszeugnis enthalten – Fotos eigener Bastelarbeiten oder Kunstprojekte zeigen Interesse und Talent. Im Vorstellungsgespräch werden oft Grundkenntnisse in Geometrie und Kenntnisse über Steinarten abgefragt. Manche Betriebe setzen einen Praxistest ein, bei dem handwerkliches Geschick und räumliches Vorstellungsvermögen geprüft werden. Wer ein Praktikum in einem Steinmetzbetrieb vorweisen kann, hat deutliche Vorteile. Zeige Begeisterung für Naturstein, Denkmalpflege oder Gestaltung. Pünktlichkeit, Sorgfalt und körperliche Belastbarkeit überzeugen Ausbilder ebenso wie technisches Interesse und ein Gefühl für Material und Formen.
Ratgeber
Der Steinmetz ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Bauberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.400 Euro brutto monatlich.
Wasserbauer
Wasserbauer errichten, unterhalten und sanieren wasserbauliche Anlagen wie Deiche, Schleusen, Staudämme, Uferbefestigungen und Kanäle. Der Beruf verbindet Tiefbau mit Umwelt- und Gewässerschutz und erfordert körperliche Belastbarkeit sowie technisches Verständnis. Er eignet sich für Menschen, die gerne im Freien arbeiten, sich für Gewässer und Naturschutz interessieren und handwerkliche Stärken mitbringen.
3 Jahre →
Gerüstbauer
Gerüstbauer errichten und demontieren Arbeits-, Schutz- und Traggerüste aus Stahl- und Aluminiumrohren an Baustellen, Industrieanlagen und Gebäuden. Der Beruf erfordert Schwindelfreiheit, körperliche Fitness und handwerkliches Geschick. Er eignet sich für Menschen, die gerne im Freien arbeiten, Verantwortung für die Arbeitssicherheit anderer tragen möchten und Freude an präzisen Montagearbeiten haben.
3 Jahre →
Ausbaufacharbeiter
Der Ausbaufacharbeiter ist ein zweijähriger Grundlagenberuf im Bauhandwerk, der auf Innenausbau und Ausbauarbeiten spezialisiert ist. Er bildet die Basis für weiterführende Fachberufe wie Trockenbaumonteur, Estrichleger oder Bodenleger. Der Beruf eignet sich für handwerklich begabte Jugendliche, die präzise arbeiten, räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen und Freude an der Gestaltung von Innenräumen haben.
2 Jahre →
Industrie-Isolierer
Industrie-Isolierer montieren Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzdämmungen an industriellen Anlagen, Rohrleitungen, Behältern und Apparaten. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis für Energieeffizienz und Anlagensicherheit. Er eignet sich für Menschen, die gerne auf Industriebaustellen und in Kraftwerken oder Chemieanlagen arbeiten und präzise mit verschiedenen Dämmstoffen umgehen möchten.
3 Jahre →