Vergolder sind Handwerksspezialisten, die Oberflächen aus Holz, Metall, Gips oder Stein mit Blattgold, Blattsilber oder anderen Blattmetallen veredeln. Der Beruf verbindet jahrhundertealte Handwerkstechniken wie das Polimentvergolden mit modernen Restaurierungsaufgaben an Kunstwerken, Sakralbauten und Prunkräumen. Er eignet sich für Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Präzision, handwerkliches Geschick und Freude an kunsthistorischen Zusammenhängen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
420–750 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag eines Vergolders spielt sich hauptsächlich in der Werkstatt sowie auf Restaurierungsbaustellen in Kirchen, Schlössern oder Museen ab. Morgens bereiten Vergolder die Untergründe vor: Sie schleifen und grundieren Holzrahmen oder Stuckelemente, tragen mit Pinseln mehrere Schichten Kreidegrund oder Polimentmasse auf und schleifen diese nach dem Trocknen glatt. Anschließend wird die Anlegemilch (Mixtion) oder das Poliment aufgetragen, um die hauchdünnen Blattmetalle – oft nur 0,1 Mikrometer dünnes Blattgold – mit dem Anlegepinsel oder Vergolderkissen präzise aufzulegen. Nachmittags folgt das Polieren vergoldeter Polimentflächen mit Achatsteinen, das Patinieren, Lasieren oder Altern von Oberflächen mit Schelllack und Pigmenten sowie das Retuschieren von Fehlstellen an historischen Objekten. Vergolder arbeiten eng mit Restauratoren, Tischlern, Stukkateuren und Kunsthistorikern zusammen. Typische Einzelaufgaben sind das Vergolden eines Bilderrahmens in Polimenttechnik sowie die Restaurierung vergoldeter Schnitzereien an einem Barockaltar.
Vergolder arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben mit Spezialisierung auf Vergoldung, Rahmenbau oder Restaurierung. Typische Arbeitgeber sind Restaurierungswerkstätten, kirchliche Einrichtungen (Bistümer, Klöster), Denkmalpflegebehörden sowie staatliche und private Museen. Bekannte Einsatzorte sind Schlösserverwaltungen wie die Bayerische Schlösserverwaltung oder die Stiftung Preußische Schlösser. Aufgrund der sehr kleinen Anzahl ausgebildeter Vergolder besteht deutschlandweit ein deutlicher Fachkräftemangel, besonders in der Denkmalpflege.
Empfohlen wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss, jedoch ist ein Realschulabschluss aufgrund der kunsthistorischen und chemischen Inhalte vorteilhaft. Wichtige Schulfächer sind Kunst, Chemie, Mathematik und Geschichte. Persönlich sollten Bewerber absolute Fingerfertigkeit und Geduld mitbringen, da das Arbeiten mit hauchdünnen Blattmetallen höchste Konzentration erfordert. Ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden, Farbsicherheit, Sorgfalt beim Umgang mit historisch wertvollen Objekten sowie ein Interesse an Kunstgeschichte und Denkmalpflege sind essenziell für diesen Beruf.
Im ersten Lehrjahr erlernen Auszubildende die grundlegenden Arbeitstechniken: Vorbereiten und Grundieren von Untergründen aus Holz, Metall und Gips, Anmischen und Auftragen von Kreidegrund, Umgang mit Blattmetallen (Blattgold, Blattsilber, Schlagmetall) sowie Grundlagen der Farblehre und des Werkzeuggebrauchs (Vergolderpinsel, Anlegepinsel, Achatstein). Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Öl- und Polimentvergoldung, lernen Patinierund Lasurtechniken, Dekormalerei sowie den Umgang mit historischen Bindemitteln wie Schelllack und Leinöl. Das dritte Lehrjahr fokussiert auf Restaurierungsarbeiten, Schadensanalyse an historischen Objekten, Konservierungsmethoden sowie die selbstständige Ausführung komplexer Aufträge. Gegenüber ähnlichen Berufen wie Maler und Lackierer liegt der Schwerpunkt eindeutig auf kunsthandwerklichen Techniken und dem Umgang mit Edelmetallen.
Die Zwischenprüfung findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt. Sie umfasst einen schriftlichen Teil mit Aufgaben zu Technologie, Fachrechnen und Fachzeichnen (ca. 120 Minuten) sowie eine praktische Prüfungsaufgabe, bei der eine vergoldete Musterplatte in einer vorgegebenen Technik herzustellen ist (ca. 4 Stunden). Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des dritten Lehrjahres statt und gliedert sich in folgende Bereiche: Praktische Arbeitsaufgabe – Herstellung oder Restaurierung eines vergoldeten Werkstücks in Poliment- oder Öltechnik inkl. Fachgespräch (ca. 8 Stunden, Gewichtung 50 %), Fachkunde/Technologie schriftlich (ca. 120 Minuten, 20 %), Gestaltung und Planung schriftlich (ca. 60 Minuten, 10 %), Wirtschafts- und Sozialkunde schriftlich (ca. 60 Minuten, 10 %), Fachrechnen und Fachzeichnen schriftlich (ca. 60 Minuten, 10 %). Zum Bestehen müssen im Gesamtergebnis mindestens 50 Punkte erreicht werden; die praktische Arbeitsaufgabe muss ebenfalls mindestens mit 50 Punkten bewertet sein.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung können Vergolder den Meistertitel im Vergolder-Handwerk (Handwerkskammer) ablegen und damit einen eigenen Betrieb eröffnen oder Auszubildende führen. Eine weitere Option ist die Weiterbildung zum Restaurator im Handwerk (geprüft durch Handwerkskammer), die eine Spezialisierung auf die Denkmalpflege ermöglicht. Passende Studiengänge sind Restaurierung und Konservierung (Bachelor/Master an Hochschulen wie der TH Köln oder HAWK Hildesheim) oder Kunstgeschichte. Nach fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Betriebsleiter, Werkstattleiter in Restaurierungswerkstätten oder freiberuflicher Restaurierungsspezialist realistisch. Das Bruttogehalt steigt mit Meisterbrief auf 2.800–3.800 EUR monatlich.
Bewerber sollten sich zwölf bis achtzehn Monate vor Ausbildungsbeginn (August/September) um einen Ausbildungsplatz kümmern, da die Betriebe sehr klein sind und selten viele Stellen ausschreiben. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf, letzte zwei Schulzeugnisse sowie ein Motivationsschreiben mit Bezug zu Kunst, Handwerk oder Denkmalpflege. Im Vorstellungsgespräch fragen Ausbilder oft nach Kenntnissen historischer Baustile, Erfahrungen mit Bastelarbeiten und handwerklichem Geschick. Praktische Eignungstests prüfen Fingerfertigkeit und Farbwahrnehmung. Besonders überzeugend sind eigene Erfahrungen aus Praktika in Rahmungs- oder Restaurierungsbetrieben, nachgewiesenes Interesse an Kunst und Geschichte sowie Museumsbesuche, über die Bewerber kompetent berichten können.
Ratgeber
Der Vergolder ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Bauberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 420 und 750 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Schauwerbegestalter
Schauwerbegestalter entwickeln und realisieren Werbe- und Präsentationsflächen im stationären Handel, auf Messen und in öffentlichen Räumen. Sie gestalten Schaufenster, Verkaufsräume und Ausstellungsbereiche mit dem Ziel, Produkte visuell wirkungsvoll in Szene zu setzen. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit kreativem Gestaltungswillen und eignet sich für Menschen mit Sinn für Ästhetik, Farbe und Raumwirkung.
3 Jahre →
Bauten- und Objektbeschichter
Bauten- und Objektbeschichter bereiten Oberflächen an Gebäuden, Fassaden und Innenräumen vor und versehen sie mit Farben, Lacken, Putzen oder dekorativen Beschichtungen. Der Beruf vereint handwerkliches Geschick mit Materialkunde und ästhetischem Gespür. Er eignet sich für Menschen, die gerne körperlich arbeiten, präzise mit Pinsel, Rolle und Spachtel umgehen und sichtbare Ergebnisse ihrer Arbeit schätzen.
2 Jahre →
Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie
Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie steuern und überwachen industrielle Anlagen zur Herstellung von Baustoffen wie Zement, Kalk, Gips, Beton, Naturstein oder Schotter. Der Beruf verbindet Maschinentechnik mit Verfahrenstechnik und Qualitätskontrolle. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die gerne mit großen Maschinen und automatisierten Prozessanlagen arbeiten.
3 Jahre →
Trockenbaumonteur
Trockenbaumonteure errichten Wände, Decken und Böden aus Gipskartonplatten, Metallprofilen und Dämmmaterialien – ohne nasse Baustoffe wie Zement oder Mörtel. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit präziser Maßarbeit und modernem Innenausbau. Er eignet sich für Menschen, die gerne mit Werkzeugen arbeiten, räumlich denken können und körperlich belastbar sind.
3 Jahre →