Weber stellen auf industriellen Webmaschinen Gewebe aus verschiedenen Garnen und Fasern her – von technischen Spezialgeweben bis hin zu Modeartikeln. Der Beruf verbindet handwerkliches Gespür mit maschinentechnischem Verständnis und Qualitätsbewusstsein. Er eignet sich besonders für Menschen, die Freude an präziser Maschinenarbeit, Materialkunde und der Entstehung textiler Produkte haben.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
500–850 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2100 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag von Webern spielt sich überwiegend in Webereihallen industrieller Textilbetriebe ab, wo es laut und maschinengeprägt ist. Morgens beginnt die Schicht mit der Kontrolle der Webmaschinen – Rapier-, Greifer- oder Luftdüsenwebmaschinen werden auf Betriebsbereitschaft geprüft. Fadenbrüche werden mit Knüpftechniken behoben, Schussfäden eingelegt und Schäfte sowie Blatt korrekt eingezogen. Webmuster werden anhand von Webkarten oder elektronischen Steuerungssystemen (z. B. Jacquard-Steuerung) eingestellt. Nachmittags werden Gewebeproben entnommen und mit Messschiebern oder Fadenzählern auf Bindungsart, Fadendichte und Gewebebreite kontrolliert. Auftretende Webfehler wie Doppelfäden, Fehlschüsse oder Längsstreifen werden dokumentiert und Ursachen behoben. Weber arbeiten eng mit Textilmaschinenführern, Qualitätsprüfern und Produktionsplanern zusammen. Das Rüsten neuer Kettbäume sowie das Anknüpfen neuer Kettfäden mittels Knüpfmaschine gehören ebenfalls zu typischen Tagesaufgaben.
Weber finden Beschäftigung in Webereiunternehmen der Textilindustrie, Herstellern technischer Textilien (z. B. Mehler Texnologies, Lindauer DORNIER GmbH), Automobilzulieferern mit Textilsparte sowie Betrieben für Heimtextilien und Modestoffe. Bekannte Regionen sind das Münsterland, Sachsen und der Allgäu. Es herrscht zunehmender Fachkräftemangel, da die Zahl der Ausbildungsbetriebe rückläufig ist, was die Jobchancen für Absolventen verbessert.
Ein Hauptschulabschluss ist als Mindesteinstieg möglich, viele Betriebe bevorzugen jedoch einen Realschulabschluss. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Berechnungen zu Fadendichten, Gewebegewicht), Physik und Werken/Technik. Persönlich wichtig sind Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer beim Überwachen laufender Maschinen, handwerkliches Geschick beim Knüpfen und Einziehen von Fäden, technisches Verständnis für Maschinensysteme, Farbsinn und ästhetisches Gespür für Webmuster sowie Bereitschaft zur Schichtarbeit.
Im ersten Lehrjahr erwerben Auszubildende grundlegendes Wissen über Textilfasern (Baumwolle, Wolle, Polyester, Viskose), Garnkunde, einfache Bindungsarten (Leinwand-, Köper-, Atlasbindung) sowie den sicheren Umgang mit Webmaschinen und Sicherheitsvorschriften. Das Einziehen von Ketten und das Knüpfen von Fadenbrüchen wird geübt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Maschinentechnik, lernen komplexere Bindungsarten und Webmuster kennen und beginnen mit systematischer Qualitätskontrolle sowie einfacher Fehlerdiagnose. Im dritten Lehrjahr stehen Spezialbindungen, Jacquard- und Schaftweberei, das Rüsten und Optimieren von Webmaschinen sowie betriebswirtschaftliche Grundlagen auf dem Lehrplan. Im Vergleich zu verwandten Berufen wie dem Textil- und Modenäher liegt der Schwerpunkt klar auf Maschinenführung, Bindungslehre und Garnverarbeitung statt auf Schnitt und Näharbeit.
Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt. Schriftlich werden in ca. 120 Minuten Grundlagen der Faserkunde, Bindungslehre und Maschinentechnik geprüft. Praktisch wird das korrekte Einziehen eines einfachen Webgeschirrs oder das Beheben eines Fadenbruchs bewertet (ca. 60 Minuten). Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des dritten Ausbildungsjahres statt und gliedert sich in folgende Bereiche: Praktische Arbeitsaufgabe – Rüsten, Einrichten und Überwachen einer Webmaschine inklusive Qualitätskontrolle des hergestellten Gewebes (ca. 7 Stunden, Gewichtung 50 %). Schriftliche Prüfung – Weberei/Bindungslehre (90 Minuten, 20 %), Maschinen- und Technologiekunde (90 Minuten, 20 %) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 %). Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erforderlich. Bei der praktischen Aufgabe ist ein abschließendes Fachgespräch von ca. 15 Minuten vorgesehen.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bieten sich folgende Weiterbildungswege an: Textiltechniker (staatlich geprüft, Fachschule, 2 Jahre) mit Schwerpunkt Weberei oder Veredlung, Industriemeister Textil (IHK) für Führungsaufgaben in der Produktion oder Meister im Textilhandwerk (HwO). Ein anschließendes Studium zum Bachelor of Engineering in Textiltechnik oder Produktionstechnik ist mit Fachhochschulreife möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Schichtleiter, Produktionsleiter oder Qualitätsmanager erreichbar. Das Einstiegsgehalt von ca. 2.000–2.400 EUR brutto steigt mit Weiterbildung auf 3.000–4.500 EUR. Spezialisierungen in technischen Geweben (Composites, Medizintextilien) sind besonders gefragt.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (in der Regel 1. August/September) eingereicht werden – also ab Herbst des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, Lebenslauf, aktuelles Zeugnis und ggf. Nachweise über Praktika im Textilbereich. Im Vorstellungsgespräch werden oft Grundkenntnisse über Textilmaterialien und technisches Verständnis abgefragt. Manche Betriebe setzen einen einfachen Eignungstest mit handwerklich-motorischen Aufgaben (Knoten, Fadenzählen) ein. Besonders überzeugen Ausbilder, wenn Bewerber Interesse an Maschinenarbeit, Erfahrung aus Textil- oder Handwerkspraktika und Schichtbereitschaft mitbringen. Ein selbst gewebtes oder gestricktes Stück als Arbeitsbeispiel kann positiv auffallen.
Ratgeber
Der Weber ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Textil und Bekleidung. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 500 und 850 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.100 Euro brutto monatlich.
Handschuhmacher
Handschuhmacher fertigen hochwertige Handschuhe aus Leder, Textil oder Synthetikgeweben – von der Zuschneidung bis zur fertigen Naht. Dieser seltene Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit präziser Materialverarbeitung und ist besonders für Menschen geeignet, die feinmotorisches Geschick mitbringen und Freude an der Herstellung individueller, langlebiger Produkte haben.
3 Jahre →
Kürschner
Kürschner verarbeiten Pelzfelle und Pelzleder zu hochwertigen Bekleidungsstücken, Accessoires und Heimtextilien. Die Ausbildung verbindet traditionelles Handwerk mit modernem Modedesign und erfordert ein hohes Maß an Fingerfertigkeit und Materialkenntnis. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Sinn für Ästhetik, handwerklichem Talent und Interesse an exklusiven Naturmaterialien.
3 Jahre →
Sattler
Sattler fertigen und reparieren handwerkliche Produkte aus Leder, Kunstleder, Textil- und technischen Geweben – von Fahrzeugsitzen und Polstermöbeln bis zu Reitsattelwerk und Fahrzeugverdecken. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit modernen Materialien und Maschinentechnik. Er eignet sich für Menschen mit Gespür für Formen, präzises Arbeiten mit den Händen und Interesse an Leder sowie Textilverarbeitung.
3 Jahre →
Produktionsmechaniker Textil
Produktionsmechaniker Textil stellen textile Flächen und Garne auf industriellen Maschinen her und überwachen vollautomatische Webstühle, Strick- und Wirkmaschinen sowie Spinn- und Zwirnmaschinen. Dieser Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Maschinenverständnis und Qualitätsbewusstsein. Er eignet sich für Menschen, die präzise arbeiten, technische Abläufe durchschauen und gerne in der Produktion tätig sind.
3 Jahre →