Kürschner verarbeiten Pelzfelle und Pelzleder zu hochwertigen Bekleidungsstücken, Accessoires und Heimtextilien. Die Ausbildung verbindet traditionelles Handwerk mit modernem Modedesign und erfordert ein hohes Maß an Fingerfertigkeit und Materialkenntnis. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Sinn für Ästhetik, handwerklichem Talent und Interesse an exklusiven Naturmaterialien.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
400–700 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag eines Kürschners beginnt meist mit der Begutachtung und Sortierung eingehender Pelzfelle – dabei werden Qualität, Farbe, Haarstruktur und Flächengröße einzelner Nerzfelle, Lammfelle oder Fuchspelze bewertet. Morgens werden Felle mit der Nastrofka-Maschine oder dem Kürschnermesser auf Zuschneidebrettern geschnitten, einzelne Fellteile nach Zuschnittmuster zusammengenäht und auf der Kürschner-Nähmaschine (Pelzsteppmaschine) verarbeitet. Nachmittags stehen Anproben und Korrekturen an fertigen Jacken oder Mänteln auf dem Programm, außerdem das Aufnässen und Strecken (Spannen) der Pelzteile auf Spannplatten sowie das Bügeln und Ausarbeiten mit Dampfbügeleisen und Bürsten. Kürschner arbeiten eng mit Designern, Änderungsschneidern und Kunden zusammen, führen Reparaturen und Umarbeitungen von Altpelzen durch und beraten Kunden in Pflegefragen. Typische Aufgaben sind das Einarbeiten von Lederstreifenkanten sowie das Umnähen von Kragen und Manschetten an Mänteln.
Kürschner arbeiten überwiegend in kleinen bis mittelständischen Kürschnerhandwerksbetrieben und exklusiven Pelzfachgeschäften. Arbeitgeber finden sich zudem in Maßschneidereien mit Pelzabteilung, im Bühnen- und Kostümbereich (Theater, Film) sowie in der Lederwarenbranche. Bekannte Regionen mit Pelzfachbetrieben sind Berlin, Hamburg und München. Der Beruf ist ein Nischenhandwerk – qualifizierte Fachkräfte sind gesucht, der Ausbildungsmarkt ist jedoch sehr klein mit weniger als 100 neuen Azubis bundesweit jährlich.
Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, jedoch bevorzugen viele Betriebe Bewerber mit mittlerem Bildungsabschluss (Realschule), da Materialkalkulation und Zeichnen ein gutes Grundverständnis in Mathematik und Kunst voraussetzen. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Kalkulation, Maßeinheiten), Kunst/Textilkunde und Biologie (Tierkunde). Persönliche Stärken wie Fingerfertigkeit, Geduld, Farbempfinden sowie räumliches Vorstellungsvermögen sind besonders wichtig. Auch Interesse an Mode, Naturmaterialien und handwerklicher Präzisionsarbeit sollte vorhanden sein.
Im ersten Lehrjahr erwerben Azubis grundlegende Kenntnisse über Pelztierarten, Fellarten und deren Qualitätsmerkmale. Sie erlernen den sicheren Umgang mit Kürschnermesser, Schere und Nähmaschine sowie grundlegende Schnitt- und Nähttechniken. Farblehre, Materialkunde und Werkzeugpflege stehen ebenfalls im Mittelpunkt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Kenntnisse in Zuschnitt- und Verarbeitungstechniken – darunter Stückeln, Streifen und Diagonal-Technik. Azubis lernen das Spannen, Aufnässen und Finishen von Pelzteilen sowie die Grundlagen der Kalkulation und Kundenberatung. Im dritten Lehrjahr liegt der Schwerpunkt auf komplexen Modellen wie Jacken und Mänteln, Umarbeitungen, Reparaturen sowie Qualitätskontrolle. Im Vergleich zur Ausbildung zum Maßschneider arbeiten Kürschner ausschließlich mit Naturpelzen und müssen tierartspezifische Verarbeitungseigenschaften beherrschen.
Die Zwischenprüfung findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt. Sie prüft schriftlich in 120 Minuten Grundkenntnisse in Pelz- und Werkzeugkunde, Fertigungstechnik und Wirtschafts- und Sozialkunde. Praktisch wird eine einfache Fertigungsaufgabe (z. B. Zusammennähen von Fellteilen) in ca. 90 Minuten bewertet. Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des dritten Ausbildungsjahres statt und gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: - Praktische Arbeitsaufgabe (Fertigung eines Kleidungsstücks oder Accessoires aus Pelz): Gewichtung 50 %, Dauer ca. 14 Stunden - Pelzbearbeitung und Fertigungstechnik (schriftlich): Gewichtung 20 %, Dauer 120 Minuten - Gestaltung und Entwurf (schriftlich): Gewichtung 15 %, Dauer 60 Minuten - Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich): Gewichtung 15 %, Dauer 60 Minuten Zum Bestehen müssen in jedem Prüfungsbereich mindestens 30 Punkte (von 100) und im Gesamtergebnis mindestens 50 Punkte erreicht werden. Bei der praktischen Arbeit ist ein abschließendes Fachgespräch von ca. 15 Minuten vorgesehen.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung können Kürschner den Meistertitel als Kürschnermeister (HwO) ablegen, der Voraussetzung für die selbstständige Betriebsführung und Ausbildungsberechtigung ist. Alternativ bietet der Techniker-Abschluss im Fachbereich Bekleidungstechnik an Fachschulen eine weitere Option. Für Abiturienten ist ein Studium im Bereich Mode- und Textildesign (B.A.) oder Bekleidungstechnik (B.Eng.) möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter in Pelzateliers, Lehrmeister oder Filialbetriebsleiter realistisch. Spezialisierungsmöglichkeiten bestehen in der Pelzrestaurierung, der Lederverarbeitung sowie im exklusiven Maßanfertigungsbereich. Das Gehalt steigt mit Meistertitel auf 2.800–3.800 EUR brutto monatlich.
Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (August/September) eingereicht werden, da es bundesweit nur sehr wenige Ausbildungsplätze gibt. Die Bewerbungsmappe sollte Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, Schulzeugnisse und – wenn vorhanden – Fotos eigener Handarbeiten oder Nähprojekte enthalten, um handwerkliches Interesse zu belegen. Im Vorstellungsgespräch werden häufig praktische Geschicklichkeitstests (z. B. einfaches Schneiden oder Nähen) durchgeführt. Ausbilder legen besonders Wert auf Begeisterung für das Material Pelz, Farbgefühl und Sorgfalt. Wer Vorerfahrungen aus Schneiderkursen, Textilprojekten oder einem Praktikum in einem Kürschnereibetrieb nachweisen kann, hat deutliche Vorteile. Kenntnisse über Pelztierarten und Grundbegriffe der Pelzverarbeitung hinterlassen im Gespräch einen positiven Eindruck.
Ratgeber
Der Kürschner ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Bereich der Textil- und Bekleidungsberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 400 und 700 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Gestalter für visuelles Marketing
Gestalter für visuelles Marketing gestalten Schaufenster, Verkaufsflächen und Messeauftritte, um Produkte wirkungsvoll in Szene zu setzen. Sie verbinden handwerkliche Fähigkeiten mit kreativem Gespür für Farbe, Licht und Raumgestaltung. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem ästhetischem Empfinden, handwerklichem Geschick und Interesse an Mode, Dekoration sowie Marketingstrategien.
3 Jahre →
Segelmacher
Segelmacher fertigen und reparieren Segel, Planen, Zelte, Markisen und andere technische Textilien aus Hochleistungsgeweben wie Dacron, Mylar, Dyneema oder Carbonfaserlaminaten. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick beim Nähen und Konfektionieren mit physikalischem Verständnis für Windkräfte und Segelgeometrie. Er eignet sich für Menschen mit Freude an Präzisionsarbeit, maritimem Umfeld und dem Umgang mit modernen Hochleistungsmaterialien.
3 Jahre →
Weber
Weber stellen auf industriellen Webmaschinen Gewebe aus verschiedenen Garnen und Fasern her – von technischen Spezialgeweben bis hin zu Modeartikeln. Der Beruf verbindet handwerkliches Gespür mit maschinentechnischem Verständnis und Qualitätsbewusstsein. Er eignet sich besonders für Menschen, die Freude an präziser Maschinenarbeit, Materialkunde und der Entstehung textiler Produkte haben.
3 Jahre →
Textilreiniger
Textilreiniger sind Fachleute für die professionelle Reinigung, Pflege und Instandhaltung von Textilien, Leder und Pelzen. Sie beherrschen chemische Reinigungsverfahren (Trockenreinigung mit Lösungsmitteln wie Perchlorethylen oder Kohlenwasserstoffen), Nassreinigung und Wäschepflege. Der Beruf eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Feingefühl für Materialien und Interesse an Chemie sowie Textilfaserkunde.
3 Jahre →