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Biologiemodellmacher

Biologiemodellmacher stellen dreidimensionale Lehr- und Anschauungsmodelle biologischer Objekte her – etwa Zellmodelle, Organe, Pflanzenschnitte oder anatomische Präparate in vergrößertem Maßstab. Dabei kombinieren sie handwerkliches Geschick mit naturwissenschaftlichem Fachwissen. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem räumlichen Denken, Freude an feinmechanischer Arbeit und Interesse an Biologie, Medizin oder Zoologie.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

480–750 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2200 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Biologiemodellmacher?

Der Arbeitsalltag findet überwiegend in einer spezialisierten Werkstatt statt, die Merkmale eines Künstlerateliers mit einer holz- und kunststoffverarbeitenden Werkstatt vereint. Morgens werden zunächst Konstruktionszeichnungen und anatomische Vorlagen gesichtet, Maßstäbe berechnet und Materialien bereitgestellt – darunter Lindenholz, Gips, Epoxidharz, Polyurethanschaum und Acrylfarben. Anschließend beginnt die Formgebung: Mit Bildhauerwerkzeugen wie Stemmeisen, Schnitzbeilen und Raspeln werden Rohformen aus Holz oder Schaumstoffblöcken gearbeitet, danach mit Schleifpapier (Körnung 80 bis 400) verfeinert. Nachmittags folgen oft Spachtel- und Gießarbeiten mit Silikonformen sowie das Bemalen der Modelle mit naturgetreuen Farbnuancen per Airbrush oder Pinsel. Typische Aufgaben: das Anfertigen eines aufklappbaren Herzmodells im Maßstab 1:3 aus Hartgips und Epoxidharz oder die Herstellung eines vergrößerten Bienenkörpers aus Polyurethanschaum mit farbiger Bemalung. Enge Zusammenarbeit erfolgt mit Biologen, Museumsgestaltern und Verlagslektoren, die fachliche Korrektheit sichern.

Wo arbeitest du?

Biologiemodellmacher arbeiten in kleinen bis mittelständischen Lehrmittelherstellern wie 3B Scientific, Somso Modelle oder Denoyer-Geppert sowie in naturkundlichen Museen, zoologischen und botanischen Gärten, Universitätsinstituten und medizinischen Ausbildungseinrichtungen. Die Branche ist sehr klein und spezialisiert; Fachkräftemangel besteht aufgrund der geringen Ausbildungszahlen. Die meisten Betriebe sind handwerklich geprägt mit weniger als 50 Mitarbeitern.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Realschulabschluss, da naturwissenschaftliche Fächer wie Biologie, Chemie und Kunst eine wichtige Grundlage bilden. Gute Leistungen in Mathematik helfen bei Maßstabsberechnungen und Materialkostenermittlung. Persönlich wichtig sind ausgeprägte Feinmotorik, räumliches Vorstellungsvermögen, Geduld bei langwierigen Formgebungsprozessen und ästhetisches Gespür für naturgetreue Farbgestaltung. Interesse an Biologie und Medizin sowie die Bereitschaft zu präzisem, konzentriertem Handarbeiten über viele Stunden sind unverzichtbar.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Holz- und Werkstoffkunde im Vordergrund: Eigenschaften von Weich- und Hartholzarten, Gips, Kunstharzen und Schaumstoffen sowie sicherer Umgang mit Handwerkzeugen, Bandsäge und Schleifmaschine. Grundlegende Zeichen- und Konstruktionstechniken sowie Maßstabsberechnungen werden eingeübt. Im zweiten Lehrjahr vertieft sich die Ausbildung in Formenbau (Silikon-, Gummiformenherstellung), Abgusstechniken und Oberflächenbehandlung. Biologisches Fachwissen zu Tier-, Pflanzen- und Humananatomie wird intensiviert, um Modelle naturgetreu zu gestalten. Im dritten Lehrjahr stehen Spezialisierungen wie Airbrushlackierung, Einsatz von CAD-gestützten Skizzen, Berechnung von Fertigungskosten sowie eigenständige Projektplanung im Fokus. Im Unterschied zu verwandten Berufen wie Holzbildhauer oder Modellbauer liegt der Schwerpunkt klar auf naturwissenschaftlicher Präzision und didaktischer Aufbereitung der Modelle.

Gestaltung und KonstruktionFertigungstechnik und WerkstoffkundeBiologie und AnatomieBetriebswirtschaftslehre und KalkulationWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Lehrjahres statt (ca. 18. Ausbildungsmonat). Geprüft werden schriftliche Grundlagen zu Werkstofftechnik, Werkzeugkunde und biologischem Basiswissen in einem schriftlichen Test von 120 Minuten sowie eine praktische Übungsarbeit (Formgebung und Oberflächenbearbeitung eines einfachen Modells) von ca. 3 Stunden. Die Abschlussprüfung (Teil 2) erfolgt am Ende des dritten Lehrjahres. Sie gliedert sich in: eine praktische Arbeitsaufgabe (Herstellung eines vollständigen Biologiemodells inklusive Bemalung und Beschriftung) mit einer Bearbeitungszeit von ca. 16 Stunden, gewichtet mit 50 %; einen schriftlichen Prüfungsteil zu Gestaltung und Konstruktion (90 Minuten, 20 %), Fertigungstechnik und Werkstoffkunde (90 Minuten, 20 %) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 %). Ein abschließendes Fachgespräch von 15–20 Minuten über die praktische Arbeitsaufgabe ist Bestandteil der Bewertung. Zum Bestehen müssen mindestens 50 Punkte (von 100) in jedem Prüfungsbereich sowie im Gesamtergebnis erreicht werden.

Prüfungsthemen

  • Werkstoffkunde (Holz, Gips, Kunstharz, Schaumstoffe)
  • Anatomie und Biologie (Tier, Pflanze, Mensch)
  • Formenbau und Abgusstechniken
  • Oberflächengestaltung und Farbgebung (Airbrush, Pinsel)
  • Konstruktionszeichnung und Maßstabsberechnung
  • Fertigungsplanung und Materialkalkulation
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich Weiterbildungen zum Holzbildhauer-Meister (HwO) oder zum staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Holztechnik an. Wer in Richtung Gestaltung strebt, kann ein Studium zum Bachelor of Arts (Produktgestaltung, Modellbau oder Scientific Illustration) aufnehmen. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Werkstattleiter in Lehrmittelfirmen, als Museumsrestaurator oder als selbstständiger Modellbauer realistisch. Spezialisierungen auf medizinische Anschauungsmodelle, Museumsexponate oder digitale 3D-Modellierung (CAD/3D-Druck) steigern die Verdienstmöglichkeiten auf 2.800–3.800 EUR brutto monatlich.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn eingereicht werden, da die Ausbildungsplätze sehr rar sind (bundesweit nur wenige Betriebe). Die Bewerbungsmappe sollte neben Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen auch eine Mappe mit eigenen handwerklichen oder künstlerischen Arbeiten (Zeichnungen, Schnitzereien, Modellbauprojekte) enthalten. Im Vorstellungsgespräch werden praktische Geschicklichkeit, biologisches Grundinteresse und Motivation zur Detailarbeit abgefragt. Betriebe führen häufig einen Probearbeitstag durch, bei dem einfache Schnitz- oder Malarbeiten bewertet werden. Überzeugende Kandidaten bringen Erfahrungen aus Modellbau-AGs, Kunstkursen oder Biologieprojekten mit und zeigen, dass sie sorgfältig und ausdauernd arbeiten können.

Ratgeber

Der Biologiemodellmacher ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 480 und 750 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen im Beruf des Biologiemodellmachers?
Der Beruf ist selbst bereits eine Spezialisierung innerhalb der Modellmacherberufe mit Fokus auf biologische und naturwissenschaftliche Anschauungsmodelle. Je nach Betrieb kann man sich auf bestimmte Themenbereiche wie Botanik, Zoologie oder Anatomie konzentrieren. Eine formal geregelte Fachrichtung innerhalb der Ausbildung existiert nicht.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Biologiemodellmacher?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis stellen die meisten Betriebe jedoch Bewerber mit einem Realschulabschluss ein. Ein Hauptschulabschluss kann ausreichen, wenn handwerkliches Geschick und gute Noten in Kunst, Biologie und Werken vorliegen. Abitur ist nicht erforderlich.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Biologiemodellmacher?
Biologiemodellmacher sind vor allem in spezialisierten Lehrmodell- und Lehrmittelherstellern tätig, die Bildungseinrichtungen wie Schulen, Universitäten und Museen beliefern. Auch naturkundliche Museen, Ausstellungsgestalter oder wissenschaftliche Institute können Arbeitgeber sein. Da es sich um eine Nischenbranche handelt, ist die Anzahl der Ausbildungsbetriebe in Deutschland sehr gering.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Meister im holz- oder gestaltungsnahen Handwerk möglich. Mit entsprechender Berufserfahrung oder Hochschulzugangsberechtigung kann man auch ein Studium in Bereichen wie Produktdesign, Restaurierung oder Biologie aufnehmen. Einige Fachhochschulen ermöglichen über die Meisterprüfung den Hochschulzugang auch ohne Abitur.

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