Dekorvorlagenhersteller fertigen künstlerische Vorlagen und Druckformen für die Dekoration von Keramik-, Glas- und Porzellanwaren. Sie kombinieren handwerkliche Fähigkeiten mit gestalterischem Talent, um Muster, Ornamente und Bildmotive herzustellen, die anschließend im industriellen Druck- oder Malverfahren auf Oberflächen übertragen werden. Dieser Nischenberuf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Ästhetik, Farbe und Präzision.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
480–750 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag findet überwiegend im Atelier oder im Dekorationsstudio eines keramischen oder glasverarbeitenden Betriebs statt. Morgens werden zunächst Aufträge gesichtet und Kundenvorgaben analysiert: Welche Motive, Farben und Drucktechniken sind gewünscht? Anschließend entstehen erste Entwurfsskizzen auf Papier oder digital mithilfe von Grafiksoftware wie Adobe Illustrator oder CorelDRAW. Dabei werden Farbseparationen erstellt, die für den späteren Siebdruck oder Transferdruck erforderlich sind. Nachmittags erfolgt häufig die handwerklich-technische Ausführung: Das manuelle Aufzeichnen von Konturen auf transparente Folien, das Retuschieren von Vorlagen mit Pinsel und Deckfarbe oder das Belichten von Siebdruckrahmen mit Photoemulsion und UV-Licht. Parallel wird die Maßhaltigkeit der Vorlagen mit Lupe, Lineal und Messlehren geprüft. Enge Abstimmung mit Graveuren, Siebdruckern und dem Qualitätsprüfer gehören ebenso zum Alltag wie die Dokumentation von Farbrezepturen und Druckparametern.
Dekorvorlagenhersteller arbeiten vorwiegend in keramischen Industriebetrieben und Manufakturen, etwa bei Porzellanherstellern wie Meissen Porzellan, Rosenthal oder Villeroy & Boch sowie in Fliesenproduzenten wie Villeroy & Boch Fliesen oder regionalen Steingutbetrieben. Weitere Arbeitgeber sind Glashütten, Kristallglasmanufakturen (z. B. Zwiesel Glas) und spezialisierte Dekorbetriebe. Der Beruf ist ein ausgesprochener Nischenberuf mit vergleichsweise wenigen Ausbildungsplätzen; Fachkräftemangel in diesem Segment ist ausgeprägt.
Empfohlen wird mindestens ein Realschulabschluss, da die Ausbildung ein gutes Verständnis für Geometrie, Farbe und technische Zusammenhänge erfordert. Besonders wichtig sind die Schulfächer Kunst, Mathematik und Chemie. Persönlich sollten Bewerber ausgeprägte Feinmotorik, ein gutes Auge für Farbnuancen und Proportionen sowie Geduld und Sorgfalt mitbringen. Räumliches Vorstellungsvermögen erleichtert das Arbeiten mit Schablonen, Folien und Sieben. Kreativität kombiniert mit technischem Interesse ist die entscheidende Stärke für diesen Beruf.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Gestaltung im Vordergrund: Farbenlehre, Kompositionsprinzipien, das Zeichnen von Ornamenten und geometrischen Mustern sowie der sichere Umgang mit Zeichengeräten, Pinseln und Deckfarben. Grundkenntnisse in keramischen und glasspezifischen Werkstoffen sowie deren Oberflächen werden vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertieft sich die Ausbildung in Richtung Drucktechnik: Siebherstellung, Fotochemie, Belichtungsverfahren und Transferdrucktechnik (Abziehbilder) werden praxisnah erlernt. Digitale Gestaltungswerkzeuge werden intensiv eingesetzt. Im dritten Lehrjahr folgen Spezialisierungen in Farbseparation, die Anpassung von Dekoren an unterschiedliche Dekoriertechniken (Unterglasurstift, Aufglasurfarben) sowie Qualitätssicherung und Kalkulation. Gegenüber ähnlichen Berufen wie Glasmaler oder Porzellanmaler liegt der Schwerpunkt stärker auf der Vorlagenproduktion als auf der direkten Bemalung.
Die Abschlussprüfung gliedert sich in zwei Teile. Teil 1 findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. 18. bis 22. Monat) statt und umfasst eine praktische Arbeitsaufgabe von 270 Minuten, in der eine Dekorvorlage nach vorgegebenen Gestaltungsmerkmalen erstellt wird, sowie einen schriftlichen Prüfungsbereich von 60 Minuten zu technologischen Grundlagen. Teil 2 wird am Ende der Ausbildung abgelegt. Die schriftlichen Prüfungsbereiche umfassen Gestaltung und Dekortechnik (90 Minuten, Gewichtung 20 %), Produktionstechnik und Werkstoffkunde (90 Minuten, Gewichtung 20 %) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, Gewichtung 10 %). Die praktische Arbeitsaufgabe in Teil 2 (Gewichtung 50 %) dauert bis zu 420 Minuten und schließt ein Fachgespräch von maximal 20 Minuten ein. Zum Bestehen müssen in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 Punkte von 100 erreicht werden; eine mangelhafte Leistung in einem Bereich kann unter bestimmten Voraussetzungen ausgeglichen werden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bieten sich Weiterbildungen zum Techniker für Druck- und Medientechnik oder zum Industriemeister Keramik (IHK) an, um in Führungspositionen wie Schichtleiter oder Produktionsleiter aufzusteigen. Der staatlich geprüfte Gestalter für visuelles Marketing oder ein Studium im Bereich Keramikdesign, Produktdesign (B.A.) oder Grafik-Design ermöglicht den Wechsel in gestalterische Berufsfelder. Spezialisierungen sind in den Bereichen digitale Druckvorstufe, historische Ornamentik für Manufakturen oder Qualitätssicherung möglich. Nach fünf bis zehn Jahren sind Positionen als Vorlagenleiter, Abteilungsleiter Dekoration oder selbstständige Tätigkeit als Designerberater realistisch. Das Bruttojahresgehalt steigt mit Erfahrung auf 32.000 bis 42.000 EUR.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (in der Regel September) eingereicht werden, da Ausbildungsplätze in diesem Nischenberuf begrenzt sind. Die Bewerbungsmappe sollte neben Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen unbedingt eine Mappe mit eigenen Zeichnungen, Malereien oder gestalterischen Arbeiten enthalten – Ausbilder achten besonders auf künstlerisches Grundtalent und Sorgfalt. Im Vorstellungsgespräch werden häufig einfache Zeichenaufgaben oder Farbübungen gestellt. Kenntnisse in Zeichenprogrammen wie Illustrator sind ein deutlicher Pluspunkt. Wer Interesse an Kunstgeschichte, Ornamentik oder Keramik nachweisen kann – etwa durch Museumsbesuche oder eigene Projekte – hinterlässt einen starken Eindruck. Bewerber aus der Region der großen Porzellanmanufakturen sollten lokale Kontakte und Praktika nutzen.
Ratgeber
Der Dekorvorlagenhersteller ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Keramik und Glas. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 480 und 750 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Glasapparatebauer
Glasapparatebauer sind hochspezialisierte Handwerker, die aus Borosilikatglas und anderen Glasarten präzise Laborgeräte, chemische Apparaturen und technische Glaskomponenten fertigen. Mit der Glasbläserlampe und Spezialwerkzeug formen sie Reaktionskolben, Destillationsbrücken, Kondensatoren und maßgeschneiderte Sonderanfertigungen für Forschung, Industrie und Medizin. Dieser seltene Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit chemisch-technischem Fachwissen und eignet sich besonders für Menschen mit ruhiger Hand, Geduld und Freude an exakten, reproduzierbaren Arbeitsergebnissen.
3 Jahre →
Feinoptiker
Feinoptiker fertigen und bearbeiten hochpräzise optische Bauteile wie Linsen, Prismen, Spiegel und Planplatten aus optischem Glas, Kristall oder Kunststoff. Der Beruf vereint handwerkliches Geschick mit präzisionsmechanischem Denken und erfordert ein ausgeprägtes Verständnis für Physik und Lichttechnik. Er eignet sich für Menschen mit ruhiger Hand, hohem Qualitätsbewusstsein und Freude an feinmechanischer Präzisionsarbeit.
3 Jahre →
Verfahrensmechaniker für Brillenoptik
Verfahrensmechaniker für Brillenoptik stellen Brillengläser industriell her – vom Rohglas bis zum fertig geschliffenen, polierten und beschichteten Glas. Der Beruf verbindet feinmechanische Präzision mit moderner CNC-Technologie und optischen Qualitätsstandards. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen mit hohem Qualitätsbewusstsein und Freude an Fertigungsprozessen auf Mikrometer-Niveau.
3 Jahre →
Keramiker
Keramiker/-innen formen, glasieren und brennen Erzeugnisse aus keramischen Massen wie Ton, Steinzeug oder Porzellan. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit Kenntnissen über Werkstoffe, Brenntechniken und Oberflächengestaltung. Er eignet sich für Menschen mit Freude an gestalterischer Arbeit, technischem Verständnis und Ausdauer beim Arbeiten mit der Drehscheibe oder in der Serienfertigung.
3 Jahre →