Flexografen stellen Druckformen für den Flexodruck her, ein Hochdruckverfahren, das vor allem auf flexiblen Materialien wie Folien, Wellpappe und Etiketten eingesetzt wird. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit digitaler Druckformtechnik und Farbkenntnissen. Er eignet sich für Menschen mit technischem Verständnis, Präzision und Interesse an Reproduktionstechnik und Verpackungsproduktion.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
700–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Flexografen arbeiten in spezialisierten Druckformherstellungsbetrieben, Verpackungsdruckereien oder Klischeeanstalten. Der Arbeitsalltag findet überwiegend in Werkstätten und vorgelagerten Produktionsbereichen statt. Morgens: Der Tag beginnt mit der Annahme und Prüfung von Druckdaten, die Kunden digital (meist als PDF/X oder EPS-Dateien) einliefern. Mithilfe von RIP-Software (Raster Image Processor) und Programmen wie Esko ArtPro oder Kodak Prinergy werden Dateien für die Druckformbelichtung aufbereitet. Anschließend werden Fotopolymerplatten auf computergesteuerten Plattenbelichtern (CDI – Computer Direct Imaging) belichtet. Nachmittags: Nach der Belichtung erfolgen chemische oder thermische Auswaschprozesse, bei denen die nicht belichteten Plattenbereiche herausgelöst werden. Die fertigen Klischees werden auf Maßhaltigkeit, Relieftiefe und Oberflächenqualität geprüft – dazu kommen Messmittel wie Mikroskope, Reliefmessgeräte und Densitometer zum Einsatz. Zudem werden Andruck-Tests auf Flexodruck-Proofmaschinen durchgeführt, um Farbdichte und Druckqualität zu kontrollieren. Flexografen arbeiten eng mit Druckvorstufen-Technikern und Druckern zusammen.
Flexografen arbeiten in Klischeeanstalten und Druckformherstellungsbetrieben, Verpackungsdruckereien (z. B. Hersteller von Lebensmittelverpackungen und Blisterfolien), Wellpappendruckereien sowie Etikettendruckereien. Bekannte Arbeitgeber sind Unternehmen wie Siegwerk, Constantia Flexibles oder regionale Druckmittelspezialisten. Fachkräftemangel ist in diesem Nischenberuf ausgeprägt – qualifizierte Flexografen sind auf dem Arbeitsmarkt stark gefragt.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da die Ausbildung technische Zusammenhänge in Chemie und Physik sowie digitale Datenverarbeitung erfordert. Wichtige Schulfächer sind Chemie (Photopolymere, Lösungsmittel), Mathematik (Maßtoleranzen, Rasterberechnungen), Physik (Lichtbrechung, Belichtungstechnik) und Informatik. Personal eignen sich besonders Menschen mit ausgeprägtem Farbsinn und gutem Sehvermögen, technischer Affinität, hoher Präzision und Sorgfalt sowie Interesse an digitaler Bildverarbeitung und Reproduktionstechnik.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Drucktechnik, Farbenlehre und Materialwirtschaft im Vordergrund. Auszubildende lernen Druckverfahren zu unterscheiden, Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Chemikalien einzuhalten und erste Schritte in der digitalen Datenverarbeitung zu gehen. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Kenntnisse in der Druckformherstellung: Belichtungstechnik mit CDI-Systemen, Auswaschprozesse (konventionell-lösungsmittelbasiert und thermisch), Reliefkontrolle und Qualitätsprüfung. Dazu kommt die Farbauszugsherstellung und Trappingsteuerung. Im dritten Lehrjahr folgen Spezialisierungen: Rasterung und Tonwertkorrektur für unterschiedliche Bedruckstoffe (PE-Folien, Karton, Haftetiketten), Montage von Klischees auf Druckhülsen sowie Kalibrierung von Belichtungssystemen. Im Vergleich zu Medientechnologen Druck liegt der Fokus ausschließlich auf dem Hochdruckverfahren Flexodruck und der Polymertechnik.
Die Abschlussprüfung gliedert sich in einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Zwischenprüfung: Sie findet im zweiten Lehrjahr (ca. Mitte, Monat 18) statt und umfasst einen schriftlichen Test (120 Minuten) zu Grundlagen der Druckformherstellung, Materialkunde und Drucktechnik sowie eine praktische Aufgabe zur Plattenbelichtung und -kontrolle (ca. 2 Stunden). Abschlussprüfung Teil 1 (praktisch): Eine komplexe Arbeitsaufgabe, bei der Auszubildende eigenständig eine Druckform für einen definierten Druckauftrag herstellen, prüfen und dokumentieren (ca. 7 Stunden). Dieser Teil fließt mit 40 % in die Gesamtnote ein. Abschlussprüfung Teil 2 (schriftlich): Vier Prüfungsbereiche – Druckformherstellung (30 %), Medientechnik und Workflow (20 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (10 %). Die schriftlichen Teile dauern je 60 bis 90 Minuten. Zum Bestehen muss die Gesamtleistung mindestens 50 Punkte (von 100) betragen; kein Einzelbereich darf unter 30 Punkte fallen. Ein ergänzendes Fachgespräch ist möglich, wenn die praktische Aufgabe die Abschlussprüfung nicht sichert.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung stehen Flexografen mehrere Weiterbildungswege offen. Ein häufig gewählter Pfad ist der Medienfachwirt IHK (2 Jahre berufsbegleitend), der Führungsaufgaben in Druckbetrieben erschließt. Alternativ bietet sich die Weiterbildung zum Techniker Fachrichtung Druck- und Medientechnik an Technikerschulen an. Mit Fachabitur oder Abitur ist ein Studium in Druck- und Medientechnik (B.Eng.) oder Verpackungstechnik möglich. Führungspositionen wie Druckformleiter, Produktionsleiter oder technischer Betriebsleiter sind nach 7–10 Jahren realistisch. Spezialisierungen auf UV-Flexodruck, wasserbasierte Farbsysteme oder Narrow-Web-Etikettendruck erhöhen die Marktchancen erheblich. Das Gehalt steigt von ca. 2.200 EUR brutto im Einstieg auf 3.000–3.500 EUR als erfahrene Fachkraft.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart (in der Regel August/September) verschickt werden, da Ausbildungsplätze in diesem Nischenberuf begrenzt sind. Die Bewerbungsmappe sollte ein Anschreiben mit konkretem Bezug auf Drucktechnik oder Fotografie, einen tabellarischen Lebenslauf und relevante Schulzeugnisse (besonders Chemie und Mathematik) enthalten. Viele Betriebe führen technische Einstellungstests durch, die räumliches Vorstellungsvermögen, Farbwahrnehmung (Ishihara-Test) und technisches Grundverständnis prüfen. Im Vorstellungsgespräch überzeugen Bewerber mit nachgewiesenem Interesse an Fotografie, Bildbearbeitung (z. B. erste Erfahrungen mit Adobe Photoshop) oder technischem Basteln. Ein vorheriges Praktikum in einer Druckerei ist ein deutlicher Vorteil und sollte aktiv angestrebt werden.
Ratgeber
Der Flexograf ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld der Medienberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 700 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Fachkraft für Veranstaltungstechnik
Die Fachkraft für Veranstaltungstechnik ist eine dreijährige IHK-Ausbildung im Bereich Bühnen-, Licht- und Tontechnik für Live-Events, Konzerte, Theater, Messen und TV-Produktionen. Der Beruf vereint handwerklich-technisches Know-how mit kreativer Arbeit in einem dynamischen Umfeld – kein Bürojob, sondern Backstage-Realität mit unregelmäßigen Arbeitszeiten. Besonders ist die Kombination aus Elektrotechnik, Akustik, Rigging, Sicherheitstechnik und Eventlogistik unter oft hohem Zeitdruck. Er eignet sich für technikbegeisterte Menschen, die Teamarbeit schätzen, gerne auf Baustellen und Bühnen arbeiten und auch nachts und am Wochenende einsatzbereit sind.
3 Jahre →
Fotomedienfachmann
Fotomedienfachleute verarbeiten, optimieren und verwalten digitale Bilddaten für Print- und Onlinemedien. Sie bedienen professionelle Bildbearbeitungssoftware, kalibrieren Ausgabegeräte und bereiten Fotos für Druck, Web und Archivierung auf. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Farbsinn, technischem Verständnis für Farbmanagement und Interesse an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Medienproduktion.
3 Jahre →
Filmkopienfertiger
Filmkopienfertigern stellen professionelle Filmkopien für Kinos, Fernsehsender und Archivzwecke her. Sie arbeiten an der Schnittstelle von analoger und digitaler Filmtechnik, bedienen komplexe Kopiermaschinen und Farbkorrekturanlagen. Der Beruf eignet sich für technikbegeisterte Menschen mit einem ausgeprägten Gespür für Bildqualität, Farbe und präzises handwerkliches Arbeiten.
3 Jahre →
Gestaltungs- und medientechnischer Assistent
Der Gestaltungs- und medientechnische Assistent ist ein schulischer Ausbildungsberuf an Berufsfachschulen, der Mediengestaltung mit technischer Medienproduktion verbindet. Absolventinnen und Absolventen beherrschen sowohl kreative Designarbeit als auch die technische Umsetzung in Print, Digital und audiovisuellen Medien. Der Beruf eignet sich für kreative Menschen mit technischem Verständnis, die Layout, Bildbearbeitung und Medienproduktion professionell umsetzen wollen.
3 Jahre →