Filmkopienfertigern stellen professionelle Filmkopien für Kinos, Fernsehsender und Archivzwecke her. Sie arbeiten an der Schnittstelle von analoger und digitaler Filmtechnik, bedienen komplexe Kopiermaschinen und Farbkorrekturanlagen. Der Beruf eignet sich für technikbegeisterte Menschen mit einem ausgeprägten Gespür für Bildqualität, Farbe und präzises handwerkliches Arbeiten.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
500–750 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2300 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag eines Filmkopienfertigers beginnt morgens meist mit der Sichtung von Auftragsunterlagen und der Vorbereitung der Kopierprozesse. In der Werkstatt prüfen Filmkopienfertigern angelieferte Originalnegative oder Digitaldaten auf Beschädigungen, Verschmutzungen und technische Mängel – dazu nutzen sie Lupen, Densitometer und Bildanalysesoftware wie Scopebox oder Da Vinci Resolve. Anschließend werden Kopierparameter (Lichtbestimmung, Farbkorrektur) an Kopierprogrammen eingestellt und Musterabzüge auf 35-mm- oder 16-mm-Filmmaterial erstellt. Nachmittags konzentriert sich die Arbeit auf die Serienproduktion: Optische und photochemische Kopiermaschinen (z. B. von Arri oder Oxberry) werden überwacht, Filmbäder in der Chemikalienabteilung kontrolliert und erneuert sowie Qualitätskontrollen an fertiggestellten Kopien durchgeführt. Eine typische Aufgabe ist die Dichtemessung mit dem Densitometer zur Überprüfung der Belichtungsgleichmäßigkeit. Außerdem werden Filmrollen geschnitten, geklebt und für den Versand konfektioniert. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Kameramännern, Coloristen und Auftragskoordinatoren.
Filmkopienfertigern arbeiten vor allem in Kopierwerken und Filmtechnikunternehmen wie ARRI Film & TV Services oder Laser Film (Berlin). Weitere Arbeitgeber sind Rundfunkanstalten (ARD, ZDF), Filmarchive wie das Bundesarchiv-Filmarchiv sowie größere Postproduktionshäuser. Die Branche ist auf wenige Standorte konzentriert (München, Berlin, Hamburg). Durch den Übergang zur Digitaltechnik besteht ein spürbarer Strukturwandel, gleichzeitig wächst der Bedarf an Filmrestauratoren und Digitalisierungsexperten.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da chemisch-physikalische und technische Inhalte ein solides Grundverständnis erfordern. Besonders wichtig sind gute Noten in Chemie, Physik und Mathematik. Persönlich sollten Interessierte ein ausgeprägtes Farbempfinden sowie eine hohe Konzentrationsfähigkeit mitbringen, da Qualitätsunterschiede im Bruchteil einer Belichtungsstufe liegen. Sorgfalt, technisches Verständnis und Freude an handwerklich-präziser Arbeit sind ebenso gefragt wie die Bereitschaft zur Arbeit im Schichtbetrieb.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Filmchemie und Fotografie im Mittelpunkt: Entwicklung von Schwarz-Weiß- und Farbfilmmaterialien, Aufbau und Funktion von Kopierprozessen sowie Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Chemikalien und entflammbaren Filmmaterialien. Grundkenntnisse in analoger Filmtechnik (Formate: Super-8, 16 mm, 35 mm) werden vermittelt. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Lichtbestimmung und Farbkorrektur, die Bedienung optischer Kopierprozesse sowie digitale Workflows (DCP-Erstellung, Digitalisierung von Filmarchiven). Themen wie Qualitätskontrolle, Densitometrie und die Konfiguration von Filmbearbeitungsanlagen treten in den Vordergrund. Im Vergleich zu Mediengestaltern liegt der Schwerpunkt klar auf der physisch-chemischen und gerätetechnischen Seite der Filmproduktion, weniger auf grafischer Gestaltung.
Die Zwischenprüfung findet im dritten Ausbildungshalbjahr (Mitte des zweiten Lehrjahres) statt. Sie umfasst einen schriftlichen Teil (ca. 120 Minuten) zu Filmchemie, Materialkunde und Grundlagen der Kopiertechnik sowie eine praktische Aufgabe (ca. 90 Minuten), bei der Filmmaterial entwickelt und eine einfache Kopie erstellt wird. Die Abschlussprüfung (Teil 2) setzt sich aus folgenden Prüfungsbereichen zusammen: - Praktische Arbeitsaufgabe: Herstellung einer vollständigen Filmkopie inklusive Farbkorrektur und Qualitätskontrolle (ca. 7 Stunden), Gewichtung 50 % - Schriftlicher Bereich "Produktionstechnik und Materialien": 150 Minuten, Gewichtung 25 % - Schriftlicher Bereich "Wirtschafts- und Sozialkunde": 60 Minuten, Gewichtung 15 % - Fachgespräch zur praktischen Arbeitsaufgabe: ca. 15–20 Minuten, Gewichtung 10 % Zum Bestehen muss im Gesamtergebnis sowie in der Praktischen Arbeitsaufgabe jeweils mindestens 50 Punkte (ausreichend) erreicht werden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung können Filmkopienfertigern den Techniker-Abschluss (Staatlich geprüfter Techniker der Medientechnik) oder den Industriemeister Druck/Medientechnologie IHK anstreben. Passende Studiengänge sind Medientechnik (Bachelor of Engineering), Filmtechnik oder Audiovisuelle Medien. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Schichtleiter im Kopierwerk, Colorist, technischer Projektleiter oder Leiter der Qualitätssicherung realistisch. Spezialisierungsmöglichkeiten bestehen in der Filmrestaurierung und -digitalisierung (Archivarbeit), DCP-Mastering oder in der Digitalkino-Technik. Das Monatsgehalt steigt mit Berufserfahrung von ca. 2.400 EUR auf 3.800–4.500 EUR als Spezialist oder Teamleiter.
Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (September) eingereicht werden, da die Anzahl der Ausbildungsplätze bundesweit sehr begrenzt ist. Die Bewerbungsmappe sollte ein individuelles Anschreiben mit Bezug auf Filmtechnik und Farbwahrnehmung, einen tabellarischen Lebenslauf sowie die letzten beiden Schulzeugnisse enthalten. Im Vorstellungsgespräch fragen Ausbilder gezielt nach Interesse an analoger Filmtechnik, handwerklicher Sorgfalt und Kenntnissen über Filmformate. Manche Betriebe setzen einen einfachen Farbsehtest (Ishihara-Tafeln) sowie einen technisch-naturwissenschaftlichen Eignungstest ein. Wer ein Praktikum in einem Kopierwerk oder Postproduktionshaus vorweisen kann oder sich über die Geschichte des Filmkopierens informiert hat, hinterlässt einen besonders überzeugenden Eindruck.
Ratgeber
Der Filmkopienfertiger ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Medienberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 500 und 750 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.300 Euro brutto monatlich.
Mediengestalter Digital und Print
Mediengestalter Digital und Print gestalten und produzieren Medienprodukte wie Websites, Apps, Printmagazine, Corporate-Design-Materialien und digitale Werbemittel. Der Beruf vereint kreatives Gestalten mit technischem Know-how in Bildbearbeitung, Typografie und Druck- sowie Digitalproduktion. Er eignet sich für Menschen, die visuell denken, sicher mit Grafiksoftware umgehen und sowohl ästhetisches Gespür als auch technisches Verständnis mitbringen.
3 Jahre →
Medientechnologe Siebdruck
Medientechnologen Siebdruck stellen mithilfe des Siebdruckverfahrens Drucke auf nahezu allen Materialien her – von Textilien und Folien über Glas bis hin zu Leiterplatten. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis für Druckmaschinen, Farblehre und Reproarbeiten. Er eignet sich für Menschen, die gern mit Maschinen arbeiten, ein Auge für Farbe und Qualität haben und präzise vorgehen.
3 Jahre →
Gestaltungstechnischer Assistent
Gestaltungstechnische Assistenten entwickeln und realisieren visuelle Kommunikationslösungen für Print- und Digitalmedien. Sie verbinden kreatives Gestalten mit technischem Know-how in Bildbearbeitung, Satz und Druckvorstufe. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Ästhetik, Farbe und Typografie, die gleichzeitig strukturiert und softwareaffin arbeiten.
3 Jahre →
Film- und Videoeditor
Film- und Videoeditoren schneiden und montieren Bild- und Tonmaterial für Kino, Fernsehen, Online-Plattformen und Werbeproduktionen. Sie gestalten aus Rohmaterial erzählerisch und dramaturgisch schlüssige audiovisuelle Werke. Der Beruf verbindet technisches Fachwissen mit kreativem Gespür für Rhythmus, Bildsprache und Storytelling. Er eignet sich für Menschen mit Ausdauer, ästhetischem Feingefühl und Leidenschaft für bewegte Bilder.
3 Jahre →