Mediengestalter Digital und Print gestalten und produzieren Medienprodukte wie Websites, Apps, Printmagazine, Corporate-Design-Materialien und digitale Werbemittel. Der Beruf vereint kreatives Gestalten mit technischem Know-how in Bildbearbeitung, Typografie und Druck- sowie Digitalproduktion. Er eignet sich für Menschen, die visuell denken, sicher mit Grafiksoftware umgehen und sowohl ästhetisches Gespür als auch technisches Verständnis mitbringen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2600 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag häufig mit der Abstimmung im Team oder mit Kunden: Briefings werden besprochen, Korrekturstufen geprüft und Arbeitspakete verteilt. Dann geht es an die Workstation – typischerweise mit einem kalibrierten Farbmonitor – wo in Adobe InDesign Layouts für Kataloge oder Broschüren gesetzt werden, Bilder in Adobe Photoshop freigestellt und farbkorrigiert werden oder Vektorgrafiken in Adobe Illustrator erstellt werden. Nachmittags stehen häufig digitale Projekte auf dem Plan: Bannerwerbung wird in Adobe Animate oder HTML/CSS umgesetzt, Social-Media-Grafiken werden für verschiedene Formate angepasst und PDF/X-konforme Druckdaten werden für die Druckvorstufe aufbereitet. Dabei wird mit Preflight-Tools wie Acrobat Pro oder Pitstop gearbeitet, um Druckfehler zu vermeiden. Enge Abstimmung erfolgt mit Art Direktoren, Fotografen, Textern und Druckereien. Typische Einzelaufgaben sind das Erstellen eines 48-seitigen Produktkatalogs inklusive Bildretusche sowie die Umsetzung responsiver Webbanner nach CI-Vorgaben.
Mediengestalter arbeiten in Werbe- und Kommunikationsagenturen, Druckereien und Druckvorstufenbetrieben, Verlagen (Zeitschriften, Bücher, Online), Marketing-Abteilungen von Industrie- und Handelsunternehmen sowie bei spezialisierten Digital- und Webagenturen. Bekannte Arbeitgeber sind etwa Bertelsmann, Gruner + Jahr, große Druckereien wie Meinders & Elstermann oder regionale Werbeagenturen. Fachkräftemangel besteht insbesondere im Bereich Druckvorstufe und bei spezialisierten Digitalmediengestaltern, da die Branche wächst und erfahrene Kräfte fehlen.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da der Beruf sowohl gestalterische als auch technische und kaufmännische Anforderungen vereint. Wichtige Schulfächer sind Kunst und Werken für Gestaltungsgrundlagen, Mathematik für Flächenberechnungen und Kalkulation sowie Informatik für digitale Medienproduktion. Persönlich wichtig sind ein ausgeprägtes Gespür für Farbe, Form und Typografie, Genauigkeit bei der Druckdatenaufbereitung, Lernbereitschaft im Umgang mit sich schnell ändernder Software sowie Kommunikationsfähigkeit im Kundenkontakt. Handwerkliches Geschick und ein ästhetisch geschultes Auge sind entscheidend.
Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Gestaltung vermittelt: Farblehre (RGB, CMYK, Pantone), Typografie (Schriftklassen, Satzregeln, Kerning), Bildbearbeitung mit Adobe Photoshop sowie erste Layoutarbeiten in Adobe InDesign. Außerdem werden kaufmännische Grundlagen wie Kalkulation und Kundenkorrespondenz eingeführt. Im zweiten Lehrjahr erfolgt die Vertiefung in Druckvorstufe (Rasterung, Druckverfahren wie Offset- und Digitaldruck), Vektorgrafik mit Adobe Illustrator sowie Grundlagen der Webgestaltung mit HTML und CSS. Im dritten Lehrjahr spezialisieren sich Auszubildende je nach Betrieb auf Fachrichtungen: Beratung und Planung, Konzeption und Visualisierung oder Gestaltung und Technik. Verglichen mit dem Drucker oder dem Medientechnologen Druck liegt der Schwerpunkt klar auf der inhaltlichen Gestaltung und Medienproduktion statt auf maschinentechnischen Prozessen.
Die Abschlussprüfung gliedert sich in zwei Teile. Teil 1 findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt und umfasst eine praktische Gestaltungsaufgabe (180 Minuten) sowie einen schriftlichen Teil zu Gestaltungsgrundlagen und Medienproduktion (60 Minuten). Teil 1 fließt mit 35 Prozent in die Gesamtnote ein. Teil 2 findet am Ende des dritten Lehrjahres statt und besteht aus drei Prüfungsbereichen: Erstens eine praktische Fachaufgabe (Projektarbeit, 8–16 Stunden Bearbeitungszeit je nach Fachrichtung, anschließendes Fachgespräch ca. 20 Minuten), die mit 50 Prozent gewichtet wird. Zweitens ein schriftlicher Prüfungsbereich Medienproduktion und Gestaltung (120 Minuten, 25 Prozent). Drittens ein schriftlicher Bereich Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 25 Prozent). Zum Bestehen müssen in Teil 2 alle drei Bereiche mit mindestens 50 Punkten bewertet sein und die praktische Fachaufgabe darf nicht ungenügend ausfallen. Bei Unterschreitung der Mindestpunktzahl in einem schriftlichen Bereich kann eine mündliche Ergänzungsprüfung von 15 Minuten beantragt werden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungswege: Der Medienfachwirt IHK (berufsbegleitend, 2 Jahre) qualifiziert für Führungsaufgaben in Agenturen und Verlagen. Der Staatlich geprüfte Gestaltungstechniker (Fachschule, 2 Jahre Vollzeit) vertieft technische Kompetenzen. Über den zweiten Bildungsweg oder eine Hochschulzugangsberechtigung können Studiengänge wie Kommunikationsdesign (B.A.), Medieninformatik (B.Sc.) oder Mediengestaltung (B.A.) absolviert werden. Nach 5–10 Jahren sind Positionen wie Art Director, Senior Designer, UX/UI-Teamleitung oder Produktionsleitung erreichbar. Gehaltlich ist mit 3.000–4.500 EUR brutto im mittleren Management zu rechnen. Spezialisierungen auf UX/UI-Design, Motion Design oder Druckdatenmanagement erhöhen den Marktwert deutlich.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsstart (also ab Oktober/November für den folgenden Herbst) eingereicht werden. Zur Bewerbungsmappe gehören: Anschreiben mit Bezug auf konkrete Software-Kenntnisse (z. B. Adobe-Produkterfahrungen), tabellarischer Lebenslauf und eine aussagekräftige Mappe mit eigenen Gestaltungsarbeiten – auch Schulprojekte, Logos oder Fotos sind willkommen. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Fragen zu Lieblingsprojekten, Farbkenntnissen und Umgang mit Kritik gestellt. Manche Betriebe setzen einen IHK-Einstellungstest oder einen praktischen Computertest (z. B. kurze Bildbearbeitungsaufgabe in Photoshop) ein. Ausbilder überzeugt, wer eine eigene kreative Handschrift zeigt, Interesse an Typografie und Druckverfahren mitbringt und erste Kenntnisse in Adobe Creative Cloud nachweisen kann.
Ratgeber
Der Mediengestalter Digital und Print ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG, zuständig über IHK. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 950 Euro monatlich. Berufseinsteiger verdienen nach der Ausbildung durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich.
Gestaltungs- und medientechnischer Assistent
Der Gestaltungs- und medientechnische Assistent ist ein schulischer Ausbildungsberuf an Berufsfachschulen, der Mediengestaltung mit technischer Medienproduktion verbindet. Absolventinnen und Absolventen beherrschen sowohl kreative Designarbeit als auch die technische Umsetzung in Print, Digital und audiovisuellen Medien. Der Beruf eignet sich für kreative Menschen mit technischem Verständnis, die Layout, Bildbearbeitung und Medienproduktion professionell umsetzen wollen.
3 Jahre →
Schriftsetzer
Schriftsetzer ist ein historischer Druckberufe-Ausbildungsberuf, der heute als eigenständige Ausbildung nicht mehr existiert – er wurde durch modernere Medienberufe wie Mediengestalter Digital und Print abgelöst. Früher setzten Schriftsetzer Texte für den Druck manuell oder maschinell, heute übernehmen Mediengestalter diese Aufgaben digital mit DTP-Software. Wer sich für Typografie, Layout und Druckvorstufe interessiert, findet in verwandten Berufen eine fundierte Ausbildung.
3 Jahre →
Fototechnischer Assistent
Fototechnische Assistenten entwickeln, bearbeiten und verwalten fotografische Aufnahmen und digitale Bilddaten in professionellen Medienbetrieben. Sie beherrschen sowohl analoge Labortechniken als auch moderne digitale Bildbearbeitungssoftware. Der Beruf eignet sich für Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Farben, Formen und technisches Verständnis für optische und chemische Prozesse.
3 Jahre →
Fachkraft für Veranstaltungstechnik
Die Fachkraft für Veranstaltungstechnik ist eine dreijährige IHK-Ausbildung im Bereich Bühnen-, Licht- und Tontechnik für Live-Events, Konzerte, Theater, Messen und TV-Produktionen. Der Beruf vereint handwerklich-technisches Know-how mit kreativer Arbeit in einem dynamischen Umfeld – kein Bürojob, sondern Backstage-Realität mit unregelmäßigen Arbeitszeiten. Besonders ist die Kombination aus Elektrotechnik, Akustik, Rigging, Sicherheitstechnik und Eventlogistik unter oft hohem Zeitdruck. Er eignet sich für technikbegeisterte Menschen, die Teamarbeit schätzen, gerne auf Baustellen und Bühnen arbeiten und auch nachts und am Wochenende einsatzbereit sind.
3 Jahre →