Justizfachangestellte arbeiten in Gerichten und Staatsanwaltschaften und halten den Justizbetrieb am Laufen. Sie bearbeiten Akten, fertigen Protokolle bei Verhandlungen an und erteilen Auskünfte an Bürgerinnen und Bürger. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Ordnungssinn, Interesse am Rechtssystem und der Fähigkeit, auch in stressigen Situationen präzise zu arbeiten.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
900–1100 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2750 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag findet überwiegend in Gerichtskanzleien und Geschäftsstellen von Amtsgerichten, Landgerichten oder Staatsanwaltschaften statt. Morgens werden eingehende Post und Schriftsätze gesichtet, registriert und den zuständigen Richtern oder Staatsanwälten zugeleitet. Akten werden in der Verwaltungssoftware web.sta oder ForumSTAR gepflegt, Fristen überwacht und Zustellungen veranlasst. Zu den zentralen Aufgaben gehört die Vorbereitung von Gerichtsverhandlungen: Ladungen an Zeugen, Angeklagte und Anwälte werden erstellt und verschickt, Sitzungstage koordiniert. Nachmittags sitzen Justizfachangestellte häufig als Urkundsbeamtinnen und Urkundsbeamte der Geschäftsstelle im Gerichtssaal und führen das Sitzungsprotokoll – handschriftlich oder per Diktat. Sie beglaubigen Abschriften, berechnen Kosten nach dem Gerichtskostengesetz (GKG) und dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) und stellen Vollstreckungstitel aus. Im direkten Bürgerkontakt geben sie Auskünfte zu Verfahrensständen und Akteneinsicht.
Justizfachangestellte sind ausschließlich im öffentlichen Dienst der Länder tätig. Arbeitgeber sind Amtsgerichte, Landgerichte, Oberlandesgerichte, Arbeitsgerichte, Verwaltungsgerichte, Finanzgerichte und Staatsanwaltschaften. Die Justizministerien der 16 Bundesländer sind für Ausbildung und Einstellung zuständig. Fachkräftemangel ist spürbar: In vielen Bundesländern werden deutlich mehr Stellen ausgeschrieben als beworben, die Übernahmequote nach der Ausbildung liegt bundesweit bei über 90 %.
Empfohlen wird mindestens ein guter Realschulabschluss, da die Ausbildungsinhalte umfangreiches juristisches Lernmaterial und präzises schriftliches Ausdrucksvermögen erfordern. Wichtige Schulfächer sind Deutsch (fehlerfreies Formulieren, Protokollführung), Sozialkunde/Politik (Verständnis staatlicher Strukturen) und Mathematik (Kostenberechnung). Persönlich wichtig sind absolute Genauigkeit und Sorgfalt beim Umgang mit Akten und Fristen, Diskretion im Umgang mit sensiblen Verfahrensdaten, Belastbarkeit bei emotionalen Situationen (Strafverfahren, Familiensachen) sowie ein freundliches, aber bestimmtes Auftreten gegenüber Bürgerinnen und Bürgern.
Im ersten Lehrjahr stehen die Grundlagen der deutschen Gerichtsorganisation im Vordergrund: Aufbau der ordentlichen Gerichtsbarkeit, Zuständigkeiten von Amts-, Land- und Oberlandesgericht sowie Einführung in das Zivilprozessrecht (ZPO) und Strafprozessrecht (StPO). Zudem werden Schreibtechnik, Aktenführung und der Umgang mit Justiz-Fachanwendungen wie ForumSTAR geübt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Kostenberechnung nach GKG und GNotKG, lernen Zwangsvollstreckungsverfahren kennen und bearbeiten erste selbstständige Aufgaben in der Geschäftsstelle. Das dritte Lehrjahr umfasst Spezialbereiche wie Familiensachen, Nachlasssachen, Betreuungsverfahren und Insolvenzrecht sowie die Protokollführung in Hauptverhandlungen. Anders als bei Verwaltungsfachangestellten liegt der Schwerpunkt klar auf dem Verfahrensrecht und dem gerichtlichen Kanzleibetrieb.
Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Lehrjahres (ca. 18. Monat) statt und überprüft schriftlich die Grundlagen des Verfahrensrechts sowie die Aktenkunde in einer Klausur von 120 Minuten. Die Abschlussprüfung gliedert sich in einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Schriftlich werden vier Prüfungsbereiche geprüft: Zivilprozessrecht und Zwangsvollstreckung (90 Minuten, 30 %), Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren (90 Minuten, 25 %), Bearbeitung von Rechtsfällen aus weiteren Rechtsgebieten (90 Minuten, 25 %) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 %). Der praktische Prüfungsteil besteht aus einer fallbezogenen Arbeitsaufgabe, in der eine realitätsnahe Kanzleiaufgabe zu lösen ist, ergänzt durch ein Fachgespräch von bis zu 20 Minuten (zusammen 10 %). Zum Bestehen müssen alle Prüfungsbereiche mit mindestens ausreichend (50 Punkte) bewertet sein; ein Bereich darf mangelhaft sein, wenn er durch andere Bereiche ausgeglichen wird.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit, sich zum Justizfachwirt weiterzuqualifizieren – eine Fortbildungsprüfung nach BBiG, die für den mittleren Justizdienst qualifiziert und Führungsaufgaben in der Geschäftsstelle ermöglicht. Mit dem Abitur oder über einen Aufstiegslehrgang ist der Zugang zum gehobenen Justizdienst als Rechtspfleger (Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Bachelor of Laws, 3 Jahre) möglich. Rechtspfleger übernehmen eigenverantwortlich Aufgaben in der Zwangsversteigerung, Betreuung oder im Grundbuchwesen. Gehaltlich startet man nach der Ausbildung im öffentlichen Dienst nach TVöD/TV-L Entgeltgruppe 6 (ca. 2.700–2.900 € brutto), als Justizfachwirt in EG 8 (ca. 3.100–3.400 €) und als Rechtspfleger im gehobenen Dienst (A 9–A 11, ca. 3.500–4.200 €).
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (i. d. R. September/Oktober) beim zuständigen Landgericht oder dem Justizministerium des jeweiligen Bundeslandes eingereicht werden. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, Schulzeugnisse der letzten zwei Jahre und ggf. Praktikumsnachweise. Viele Länder schalten das Bewerbungsportal online; Einstellungstests prüfen Rechtschreibung, Textverständnis, logisches Denken und Grundrechenarten. Im Vorstellungsgespräch werden Motivation für den Staatsdienst, Kenntnisse der Gerichtsorganisation und Situationsfragen zur Diskretion gestellt. Besonders überzeugend sind Bewerber, die ein Praktikum bei einem Gericht oder einer Staatsanwaltschaft vorweisen können, fehlerfreie schriftliche Ausdrucksweise demonstrieren und echtes Interesse am Rechtssystem zeigen.
Ratgeber
Der Justizfachangestellte ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Bereich Recht und Öffentliche Verwaltung. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Bundesland und Lehrjahr zwischen 900 und 1.100 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.750 Euro brutto monatlich im öffentlichen Dienst.
Patentanwaltsfachangestellter
Patentanwaltsfachangestellte unterstützen Patentanwälte bei der Anmeldung, Verwaltung und Verteidigung von gewerblichen Schutzrechten wie Patenten, Gebrauchsmustern, Marken und Designs. Der Beruf verbindet juristische Fachkenntnisse mit technischem Verständnis und internationaler Korrespondenz. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Recht, Technik und Fremdsprachen, die präzise und strukturiert arbeiten möchten.
3 Jahre →
Notarfachangestellter
Notarfachangestellte arbeiten in Notarkanzleien und unterstützen Notare bei der rechtssicheren Beurkundung von Verträgen, Testamenten und Grundstücksgeschäften. Der Beruf verbindet juristische Präzision mit Büroorganisation und direktem Mandantenkontakt. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Recht, Sprache und strukturiertem Arbeiten, die Verantwortung für rechtlich bindende Dokumente übernehmen möchten.
3 Jahre →
Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter
Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte arbeiten in Anwaltskanzleien und Notariaten und unterstützen Rechtsanwälte sowie Notare bei der Mandantenbetreuung, Aktenführung und Abrechnung. Sie beherrschen juristische Fachsprache, Gerichtsfristen und beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach). Der Beruf eignet sich für Menschen mit Organisationstalent, Sorgfalt und Interesse an rechtlichen Zusammenhängen.
3 Jahre →
Steuerfachangestellter
Steuerfachangestellte arbeiten in Steuerberatungskanzleien und bearbeiten die Finanzbuchhaltung, Lohnabrechnung und Steuererklärungen von Privatpersonen und Unternehmen. Der Beruf verbindet Zahlenaffinität mit rechtlichem Fachwissen und einer hohen Beratungsverantwortung. Er eignet sich besonders für Menschen, die präzise arbeiten, Freude an Gesetzestexten haben und gerne mit Mandanten kommunizieren.
3 Jahre →