Notarfachangestellte arbeiten in Notarkanzleien und unterstützen Notare bei der rechtssicheren Beurkundung von Verträgen, Testamenten und Grundstücksgeschäften. Der Beruf verbindet juristische Präzision mit Büroorganisation und direktem Mandantenkontakt. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Recht, Sprache und strukturiertem Arbeiten, die Verantwortung für rechtlich bindende Dokumente übernehmen möchten.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–900 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2300 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Notarkanzlei mit der Bearbeitung der Eingangspost und E-Mails sowie der Vorbereitung anstehender Beurkundungstermine. Dazu gehört das Einholen von Grundbuchauszügen über das elektronische Grundbuchinformationssystem EGVP, das Anfragen von Betreuungs- und Erbscheinsunterlagen beim Nachlassgericht sowie das Zusammenstellen von Entwurfsunterlagen für Kaufverträge, Gesellschaftsverträge oder Testamente in der Notarsoftware wie z. B. NoRa oder TriNotar. Nachmittags werden Beurkundungstermine begleitet: Die Urkundenentwürfe werden vorgelesen, Beteiligtenidentitäten über den Personalausweis geprüft und Unterschriften beglaubigt. Nach dem Termin erfolgt die Vollzugsbearbeitung: Eintragungsanträge beim Grundbuchamt einreichen, Unbedenklichkeitsbescheinigungen vom Finanzamt anfordern und Vollzugsmitteilungen an alle Beteiligten versenden. Zudem werden Kostenrechnungen nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) erstellt und Fristen im Fristenkontrollbuch überwacht. Die Arbeit erfolgt eng mit dem Notar, Kollegen, Mandanten, Gerichten und Behörden zusammen.
Notarfachangestellte arbeiten ausschließlich in Notarkanzleien, die in Deutschland als freiberufliche Amtspersonen tätig sind. Es gibt rund 6.900 Notare in Deutschland (Stand 2024), überwiegend in Einzelkanzleien oder kleinen Sozietäten. Regionale Schwerpunkte liegen in Ballungsräumen mit hoher Immobilienaktivität. Fachkräftemangel ist in der Notariatspraxis spürbar, besonders in ländlichen Regionen, was gute Beschäftigungsperspektiven bietet.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da der Beruf umfangreiche Rechts- und Sprachkenntnisse erfordert. Abitur ist nicht zwingend, aber bei vielen Kanzleien bevorzugt. Wichtige Schulfächer sind Deutsch (fehlerfreies Formulieren juristischer Texte), Mathematik (Kostenberechnungen nach GNotKG) und ggf. Sozialkunde/Recht. Persönlich überzeugen Sorgfalt und Präzision beim Umgang mit rechtlich bindenden Dokumenten, Verschwiegenheit, Zuverlässigkeit sowie ein freundliches, professionelles Auftreten gegenüber Mandanten in oft emotional bedeutsamen Lebenssituationen wie Erbschaft oder Immobilienkauf.
Im ersten Lehrjahr werden die Grundlagen der Notariatspraxis vermittelt: Aufbau und Organisation einer Notarkanzlei, Grundlagen des bürgerlichen Rechts (BGB), Vertragsrecht, Grundzüge des Grundbuchrechts sowie die korrekte Erstellung einfacher Schriftstücke und Urkunden. Außerdem werden kaufmännische Grundlagen der Büroorganisation, Datenschutz nach DSGVO und der Umgang mit Notarsoftware eingeführt. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende das Immobilienkaufrecht (Grundstückskaufvertrag, Grundschuldbestellungen), Erbrecht (Testament, Erbvertrag, Erbscheinsverfahren), Gesellschaftsrecht (GmbH-Gründung, Handelsregisteranmeldungen) sowie Familienrecht (Eheverträge, Adoptionen). Die Kostenberechnung nach GNotKG und das elektronische Urkundenarchiv ELRV werden praxisnah erlernt. Im Vergleich zu Rechtsanwaltsfachangestellten liegt der Schwerpunkt klar auf Beurkundungsverfahren und Registerrecht statt auf gerichtlicher Prozessführung.
Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres (ca. Ende November / Anfang Dezember) statt und dient der Standortbestimmung. Sie umfasst einen schriftlichen Teil mit zwei Aufgabengebieten: Notarielles Berufs- und Rechtswesen sowie Bürowirtschaft, jeweils ca. 60 Minuten Bearbeitungszeit. Die Abschlussprüfung findet am Ende des dritten Ausbildungsjahres statt (Frühjahr und Herbst). Sie gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: - Notarielle Fachkunde (schriftlich, 180 Minuten, Gewichtung 40 %): Urkunden- und Vertragsrecht, Grundbuch, Erbrecht, Gesellschaftsrecht - Bürowirtschaft und Kosten (schriftlich, 90 Minuten, Gewichtung 25 %): GNotKG-Kostenberechnung, Buchführung - Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten, Gewichtung 15 %): allgemeine wirtschaftliche und rechtliche Grundlagen - Praktische Prüfung mit Fachgespräch (ca. 30 Minuten, Gewichtung 20 %): Bearbeitung einer praxisnahen Aufgabe aus dem Kanzleialltag und anschließendes Fachgespräch mit dem Prüfungsausschuss. Zum Bestehen müssen mindestens 50 Punkte (ausreichend) in allen Prüfungsbereichen erreicht werden; kein Bereich darf ungenügend sein.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit, sich zum Notarfachwirt (IHK/BNotK) weiterzubilden, dem anerkannten Aufstiegsabschluss in der Notariatspraxis, der Führungsaufgaben wie Kanzleimanagement qualifiziert. Alternativ ermöglicht der Fachwirt für Büro- und Projektorganisation eine breitere kaufmännische Qualifikation. Studiengänge wie Rechtswissenschaften (Staatsexamen), Wirtschaftsrecht (B.A./LL.B.) oder Public Management eröffnen weitere akademische Wege. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als leitende Notariatskraft, Kanzleimanagerin oder stellvertretende Büroleitung realistisch. Das Gehalt steigt von ca. 2.300 EUR brutto im Einstieg auf 3.200–4.000 EUR brutto bei langjähriger Erfahrung. Spezialisierungen in Immobilienrecht, Erbrecht oder Handelsregisterrecht erhöhen den Marktwert erheblich.
Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (August/September) eingereicht werden, also ab Herbst der vorletzten Schulklasse. Die Bewerbungsmappe sollte ein individuelles Anschreiben mit Bezug auf den juristischen Schwerpunkt, einen tabellarischen Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise enthalten. Im Vorstellungsgespräch werden Kenntnisse der Notaraufgaben, Rechtsbewusstsein und Diskretion geprüft. Einige Kanzleien nutzen schriftliche Einstellungstests mit Rechtschreib-, Rechen- und Logikaufgaben. Besonders überzeugen Bewerber, die ein Praktikum in einer Notarkanzlei oder Anwaltskanzlei vorweisen können, fehlerfreie schriftliche Ausdrucksfähigkeit zeigen und nachweislich sorgfältig und strukturiert arbeiten. Kenntnisse der Microsoft-Office-Anwendungen (Word, Outlook) sind von Vorteil.
Ratgeber
Der Notarfachangestellte ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG, angesiedelt im Berufsfeld Recht und öffentliche Verwaltung. Das Ausbildungsgehalt liegt zwischen 620 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.300 Euro brutto monatlich.
Justizfachangestellter
Justizfachangestellte arbeiten in Gerichten und Staatsanwaltschaften und halten den Justizbetrieb am Laufen. Sie bearbeiten Akten, fertigen Protokolle bei Verhandlungen an und erteilen Auskünfte an Bürgerinnen und Bürger. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Ordnungssinn, Interesse am Rechtssystem und der Fähigkeit, auch in stressigen Situationen präzise zu arbeiten.
3 Jahre →
Patentanwaltsfachangestellter
Patentanwaltsfachangestellte unterstützen Patentanwälte bei der Anmeldung, Verwaltung und Verteidigung von gewerblichen Schutzrechten wie Patenten, Gebrauchsmustern, Marken und Designs. Der Beruf verbindet juristische Fachkenntnisse mit technischem Verständnis und internationaler Korrespondenz. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Recht, Technik und Fremdsprachen, die präzise und strukturiert arbeiten möchten.
3 Jahre →
Steuerfachangestellter
Steuerfachangestellte arbeiten in Steuerberatungskanzleien und bearbeiten die Finanzbuchhaltung, Lohnabrechnung und Steuererklärungen von Privatpersonen und Unternehmen. Der Beruf verbindet Zahlenaffinität mit rechtlichem Fachwissen und einer hohen Beratungsverantwortung. Er eignet sich besonders für Menschen, die präzise arbeiten, Freude an Gesetzestexten haben und gerne mit Mandanten kommunizieren.
3 Jahre →
Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste
Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste erschließen, verwalten und vermitteln Informationen in Bibliotheken, Archiven, Behörden oder Dokumentationsstellen. Sie katalogisieren Medien, recherchieren in Datenbanken und beraten Nutzer bei der Informationssuche. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Freude an Ordnung, digitalen Recherchesystemen und dem Umgang mit vielfältigen Medienformen – von historischen Akten bis zu digitalen Datenbanken.
3 Jahre →